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Das Zelt · 1924-10-01 · Heft 10 (Oktober 1924) · p. Seite 368

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Zelt
Volume
1 (1924)
Issue
Heft 10 (Oktober 1924)
Date
1924-10-01
Page
Seite 368 (sequence 33)
Language
German
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AUS DEM NOTIZBUCH EINES EUROPAREISENDEN Mathematiker, Metaphysik ker, Physiker, Theologe, Philosoph, Arzt und Naturwissenschaftler, der berühmte Schüler' Galileis. Seine mathematischen Ansichten verfocht er mit Erfolg gegen den kenntnisreichen Ali ben Rachmadan in Kairo und seine Auslegungen der Kabbalah gegen die Mystiker von Safed. Er führte eine gelehrte Korrespondenz mit dem KaraYten Serach ben Nathan und übte seine ärztliche Kunst aus in den gelehrten Zentren der Türkei, Rußlands, Polens, Lithauens, studierte und schrieb im seuchenverpesteten Hamburg und veröffentlichte seine Werke unter dem Schutze von Menasse ben Israel in Amsterdam. In seinem siebzigsten Lebensjahre aber mußte er von sich sagen, er habe weder Heimat noch Glüdc gefunden. — Der Asket Aron Spira, Scholare und Kabbalisf, David Oppenheim, Bibliophile, Erklärer biblischer Gesetze und kabbalistischer Vorschriften, Dichter von Erzählungen und Gebeten,-seine Bibliothek ist jetzt einer der Schätze der oxforder Universität. — Und Hendel BasSchewi von Treuenberg, die Fromme, FAHNE DER jÜD. FLEISCHERZUNFT <i8. JAHRH.) WAPPEN DER FAMILIE VON POPPER Großmütige, Gütige, die Freundin der prager Armen so gut wie der ganz Böhmens, die freigebige Patronin aller Scholaren, Schulen und Synagogen,- —- Wir legen unsern Kiesel zu dem Hügel, den Generationen ehrfürchtiger Besucher auf ihr Grab gehäuft haben. Wenn ein Korn Wahrheit in dem Satz liegt, die uden lieben es, in Herdenmassen zu leben, so müssen sich die Toten Prags besonders glücklich schätzen. Auf nicht mehr als einem Aar Grund stehen 12.000 Grabsteine (wahrscheinlich ist auch diese Zahl gering angenommen), einer dicht an den anderen gedrängt. Es ist ein Ghetto der Toten. Dieses Zusammendrängen der Steine erscheint zuerst unbegreiflich, aber man erfährt, daß ihre Besitzer Einer über dem Anderen liegen. Und so kommt es, daß oft acht oder zehn Grabsteine in zerrissener Reihe auf einer Grabstelle aneinander gepreßt sind, gleich vergessenen Dominosteinen eines Kindes aus dem Riesenzeitalter. Aber trotz der tiefen Ruhe in der Nähe unserer Ahnen empfindet man nicht die tiefe Ausgeglichenheit des Friedens. Die zusammengepferchten Steine scheinen wie aus einer Folter herauszudrängen. Sie sind abgewetzt, zerklüftet, zerschmettert in dem stummen Kampf um ihren Fußbreit Platz. Die 368

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