Das Zelt
- Journal
- Das Zelt
- Volume
- 1 (1924)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1924)
- Date
- 1924-10-01
- Page
- Seite 366 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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AUS DEM NOTIZBUCH EINES EUROPAREISENDEN mit der Kenntnis des Ghetto zu belasten. Der Niditbesitz des Albums bewahrt mich davor. « Trotzdem hatte ich den Wunsch, Erzählungen und Sagen eines Teiles der europäischen Judenheit zu sammeln. Im XII. Jahrhundert, ein Vorgeschmack der Kreuzfahrerschwerter, die unsere Juden verkosten mußten als Einleitung des ernsten Werkes der Heidenvernichtung. Im XIII. Jahrhundert wieder Kreuzfahrer. Generalgefangennahme 2 pressung, nicht zu reden, von einigen kleinen Judenmassakers. — Im XV. Jahrhundert Plünderungen im Ghetto, gelegentlich der Niedermetzelung der den Juden befreundeten Hussiten. — Im XVI. Jahrhundert Zerstörung des Ghettos durch Brand. — Im XVIII. Jahrhundert totale Vertreibung auf Befehl Maria Theresias. — Nun aber Schluß mit dieser allgemein verbreiteten Meinung, die jüdisdie Geschichte sei bloß ein Kompendium düstersten Märtyrertums. Die bekanntesten Historiker finden die frühesten Nachrichten über Juden in Prag um 906 — als Opfer von Erpressung, Unterschiebung, Gewalt- PRIVILEG DER PRAGER JUDENAPOTHEKE — Im XIV. Jahrhundert, Zweck der Goldertätigkeit? Nein: ~ als häufige Besucher des Sklavenmarktes. — Und weiter. — In der Altneu- Synagoge hängt über dem Almemor ein scharlachrotes Banner mit eingesticktem Magen David. Es ist das Geschenk Ferdinand III., nicht etwa für erpreßte Anleihen, sondern für die besondere Tapferkeit der Juden, mit der sie Prag gegen die Schweden verteidigten. ~- Der Talith Salomon Molchos, wird heute noch gezeigt,- und es gibt noch einzelne Judenfamilien, die mit Stolz die Ahnenschwerter zeigen aus jener Zeit, da noch der Plan bestand, Palästina mit Waffengewalt wieder zu gewinnen. Will man noch immer nicht sehen, daß die Juden nicht nur vom Wucher gelebt haben? — Die Juden Prags waren Fleischer, Schuster, Wagner, Kürschner, Hutmacher, Schneider, Goldschmiede, Diamantschleifer, Gastwirte und Musikanten, die auch von den Andersgläubigen sehr gesucht waren. Und die jüdische Feuerwehr hatte sich im Land einen Namen zu verschaffen verstanden. Abigdor Karo, Israel ben Salman, Isajah Hurwitz, Mordechai Zemach, Mordechai und Frommet Meisel, 366