Das Zelt
- Journal
- Das Zelt
- Volume
- 1 (1924)
- Issue
- Heft 9 (September 1924)
- Date
- 1924-09-01
- Page
- Seite 338 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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MITTEILUNGEN streng orthodoxen Daniel, seinen bereits liberalen Sohn und den eigentlichen Helden des Romanes, den Enkel des polnischen Einwanderers, den Zweifler Gastone Budrio, als Gegenpol die Angehörigen des katholischen Priesters Gulio Serventi, ihn selbst wie auch seinen Anhang. Als Hintergrund dient der durch die Tragödie der schönen Beatrice Cenci bekannte stimmungsvolle Palast Cenci in Rom, Besitz der Familie Budrio. — Der Abfall Gastone Budrios vom Judentum, der Kampf mit seiner Familie, sein Unterliegen dem Einflüsse des Priesters Serventi, die Verbindung mit dessen Schwester Monica und seine allmähliche Rückkehr zum Glauben seiner Väter bilden den Inhalt dieses an Handlung, Schicksalen und Personen reichen Romanes. Das Werk ist eine Krönung des Schaffens Ciarice Tartufaris, das mächtigen Widerhall in den intellektuellen Kreisen Italiens fand. J. H. Lazar Krestin: 16 Heliogravüren nach seinen Werften. Herausgegeßen von der „Haruach". Wien 1924. Das Erscheinen der Krestin=Mappe, die in einer über« aus charakteristischen Auswahl von sechzehn druck« technisch überraschend guten Heliogravüren das Schaffen dieses allbekannten Künstlers zeigt, zum Anlaß einer eingehenden Würdigung seiner Kunst zu nehmen, wäre — da diese Publikation dem Kunstfreund das erste Mal einen Überblick über das Werk Krestins gibt — wohl zu wünschen. An dieser Stelle kann jedoch der Raum hiefür nicht sein. Eines soll und muß jedoch mit dem nötigen Nach« druck hier gesagt werden, weil es uns immer der Kern« punkt Krestinscher Kunst zu sein scheint: Nicht im Sujet, in der so beliebten Anekdote, womit man Krestin immer in der Reihe der »Judenmaler« an der Seite David Kohn und Isidor Kaufmann zu klassifizieren glaubte, liegt Krestins Größe. Seine Kunst ist ganz im Psy« duschen verankert. Darin berührt sich Krestin, dessen Malweise und Gegenständlichkeit vielleicht heute antiquiert erscheinen möge, mit den gleichen Bestrebungen unserer besten modernen Meister. Krestin war nie ein Himmelstürmer und Neuerer, aber ein ungemein lyrischer, zartfühlender Geist schürft hier, weitab vom Staub und Lärm der Straße, aus den Tiefen der Seele mit jener Schwermut des Ghettojuden, der, bildend, an den Dingen zu verbluten scheint. So finden wir Blätter in dieser Mappe, wie »Der Segen der Blinden«, »Der Thoraschreiber« und »Die betenden Knaben«, die Krestin ganz nahe an die Geistessphäre eines Israels heranrücken. »Der Sohn des Zaddik.« <Das auf Seite 334 reproduzierte Bild Krestins ist dieser Mappe entnommen. Seine Größe ist ein Drittel der Original« große.) F. G. Tforenz im Schnee. Noveffen von Jufius Zeyer. Rikofa* Verfag. Wien*Leipzig*München. Der Eintritt des tschechischen Schrifttums in die Welt« literatur ist mit seinen prominenten Vertretern Julius Zeyer und Jaroslav Vrchlicky innig verknüpft. Die Tat« sache, daß Beide Judenstämmlinge waren, ist für diese Feststellung unbedeutend,- bedeutend die Erscheinung, daß Beide mit Vorliebe jüdische Themata zum Vorwurf ihrer Dichtungen nahmen. Während Vrchlickys Dichtungen durch gute Übersetzungen dem deutschen Leser zugänglich gemacht wurden, ist Zeyers Wirken im Ausland ziemlich unbekannt geblieben. Ein Großteil der Schriften Zeyers ist biblischen Inhaltes, nur in der Novelle »Duhovy ptäk« <Der Regenbogenvogel) behandelt er einen neu« zeitlidien, in der Legende »El Christo de la Luz« einen mittelalterlichen Stoff jüdischen Inhaltes. Letztere, ver« einigt mit einer prager Legende »Inultus« und noch zwei Novellen »Florenz im Schnee« und »Amparo«, sind in der Rikola=Sammlung »Romantik der Weltliteratur« in formvollendeter Übersetzung von Rene Wellek und einem Vorworte von Hugo Salus erschienen. Die Einreihung Zeyers unter die Romantiker erscheint schon durch diese vier Erzählungen vollauf gerechtfertigt. Sein umfassendes kosmopolitisches Wissen, die Kenntnis mehrerer lebender und toter Idiome, die meisterhafte Beherrschung der Sprache und seine besondere Gabe, Stimmungen zu erfassen und festzuhalten, befähigten ihn, die gewählten Vorwürfe restlos zu gestalten. Gleichgültig, ob die Erzählung am Hofe Lorenzo di Medici in Florenz, ob in Prag nach der Schlacht am Weißen Berge, in der Synagoge in Toledo oder im Palast des Vizekönigs in Valencia spielt, erstehen in geradezu klassischer, stimmungs« voller Schilderung markante Gestalten im Rahmen leiden« schaftlicher Handlungen, farbenprächtige Bilder der Liebe, des Hasses, Künstlcrsehnsucht und ihre Erfüllung. J. H. BÜCHERE1NLAUT OssendowsRi. In den Dschungeln der Wälder und Menschen. Frankfurter Sozietätsdruckerei, Frankfurt a. M. ~ Jüdischer Afmanacfi auf das Jahr 5685. Heraus« gegeben im Auftrag des Keren Kajemeth Lejisrael in Prag von Dr. Fr. Thieberger. — Schnipp* Schnapp. Ein lustiges Kartenspiel für Groß und Klein. Nach Entwürfen von Else Kleimann. Karlsruhe. — Cfaude Auet. Ariane. Ein russisches Märchen. Paul Zsolnay«Verlag. M I T T E I Die in diesem Hefte reproduzierten Arbeiten Max Ließermanns sind den Werken Max Liebermann: »Graphische Kunst« und »Zeichnungen«, beide erschienen im Verlage Ernst Arnold, Dresden, mit Genehmigung des Verlages entnommen. Die Autogramme von Ignaz Mosdöefes stammen aus der Sammlung Dr. A. Schwadron in Zloczow. Die Photographien der in diesem Hefte reproduzierten Bilder von Georg Merkel wurden vom Atelier Elli Zinner, Wien, VIII., Alserstraße 45, hergestellt. LUNGEN Unser Mitarbeiter, der Maler und Graphiker Tritz Groß, veranstaltet in seiner Heimatstadt Bielitz eine Aus« Stellung von Graphiken und Aquarellen. Redaktion und Verlag übernehmen die Haftung nur für Einsendungen, die an sie adressiert sind. — Unverlangten Sendungen aller Art, deren eventuelle Rücksendung erwartet wird, sind entsprechende Postmarken beizulegen. Redaktionsschluß 1. Dezember 1924. Eigentümer, Verleger und Herausgeber: Zelt=Verlag, G.m.b.H. — Verantwortlicher Redakteur: Eugen Hoeflich, Wien, XVI., Feßtgasse 17. — Druck: Gesellschaft für graphische Industrie A.=G. (verantwortlich Karl Wrba>, Wien, III., Rüdengasse 11.