Das Zelt
- Journal
- Das Zelt
- Volume
- 1 (1924)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1924)
- Date
- 1924-07-01
- Page
- Seite 299 (sequence 70)
- Language
- German
- Belongs to
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BUCH, KUNST UND KÜNSTLER Aufsätzen folgen in großer Anzahl mitunter recht frei übersetzte Bibelstellen als Belege. Wenn man also von den ganz prinzipiellen Einwendungen, die dem Geiste der Bibel entspringen, absieht, ist Zieglers Werk eine nette Neuerscheinung in einer Zeit, die sich der Bibel entwachsen zu sein glaubt. E. H. Sternenhimmef. Von Max Brocf. {Gemeinsam verfegt von Kurt Wofff, Mündjen, und Orßis= Verfag, Prag.J Diesem Buch gab Brod nodi einen Untertitel: Musiki und Theatererlebnisse, den er zu legitimieren versucht: »Heiliges Zeichen des Dichters : er will bewundern und lieben, nicht kritisieren. Das Falsche rasch abtun . . . Und die Seele hinbreiten dem Rechten, dem Liebenswerten, dem Bewunderungswürdigen — dem Sternenhimmel.« Das Buch ist in zwei Jahren von Brods Rezensententätigkeit entstanden, es besteht aus gesammelten Kritiken, von denen mir die Musikreferate wichtiger scheinen, als die anderen. So schön und informativ die Essays über Janäcek sind, so viel man aus ihnen über einen fast unbekannten, beziehungsweise, trotz der Aufführungen in der Hofoper, vergessenen Komponisten erfahren kann, so wenig sagen Einem die vielen Referate über klassische Stücke. Die Theaterkritik ist keine dichterische Angelegenheit, es gilt nicht nur, zu bewundern und zu lieben, man kann die Seele dem Sternenhimmel nicht hinbreiten, wenn er an einem Schnürboden hängt. Man kann keine poetische <aus einem Guß geformte Prosa=> Kritik machen,- die Gesetze des Essays sind andere als die — des Sternenhimmels. L. W. Erinnerungen. Von Moritz Oppenheim. Herausgegeßen von Affred Oppenheim. (Trankfurter Verfagsanstaft, Trankfurt a. M.J Ursprünglich nur für einen Kreis von Angehörigen und Freunden bestimmt, werden diese im 80. Lebens^ jähre geschriebenen Aufzeichnungen dieses bedeutenden jüdischen Malers Deutschlands, durch das ergänzende, erläuternde, und nur manches, das der alte Künstler trotz geistiger Frische verwechselte, richtigstellende Nachwort des Herausgebers zu einem kultur= und kunsthistorischen Dokument von allgemeinem Interesse. Der pietätvolle Versuch des Enkels Alfred Oppenheim, das Lebensbild dieses großen Künstlers und Menschen fesu zuhalten und zu vervollständigen, gelingt und hebt so das Werk weit über das Persönlidie hinaus. — Schlicht und anspruchslos wie sein Leben, sind die Erinnerungen dieses jüdischen Meisters. Überaus liebevoll die Schilderung des echt jüdischen Elternhauses im hanauer Ghetto, jugendlich, doch sachlich und ernst die Lehr= und Wanderjahre, abgeklärt die Periode seines Schaffens und Erfolges. Von Glück begünstigt, verläßt er, zwanzigjährig, bereits als Künstler gewürdigt und anerkannt, die münchner Akademie, gewinnt in Rom die Freundschaft Thorwaldsens, in Neapel die Rothschilds, kehrt nach Frankfurt zurück, erwirbt die Anerkennung Goethes und wird der Maler der Rothschilds. Auf dem Höhepunkt seiner Kunst entstehen die bekannten »Bilder aus dem jüdischen Familienleben«, die, abgesehen von ihrem künstlerischen Wert, ein Stück Sittengeschichte der deutschen Juden darstellen. Eine Unzahl von Werken dokumentiert die mit unglaub* lichem Fleiß gepaarte schöpferische Begabung Oppenheims. Nadi einem arbeits^ und erfolgreichen Leben entwindet der Tod dem 82jährigen Meister den Pinsel. Moritz Oppenheim war »der Maler der Rothschilds und der Rothschild der Maler«. Liebevolle Betrachtung der »Bilder aus dem jüdischen Familienleben« möge der Lektüre der Erinnerungen dieses sie verewigenden Repräsentanten einer unwiderruflich abgeschlossenen deutsch^jüdischen Epoche folgen. J. H. Das Bifdnis. Von Nißofai Gogof. {Eduard Hoffmann* Verfag, Stuttgart.J In der netten Ausgabe, auf die ich anläßlich der Anzeige von Turgeniews »Lied der triumphierenden Liebe« an dieser Stelle hinwies, erschien diese von dem jüngst verstorbenen Eliasberg vorzüglich ins Deutsche übertragene Novelle Gogols. Masjutins Zeichnungen, die das Bizarre der Stimmung wesenhaft erfassen, der vorzügliche Druck und die nicht aufdringliche, recht anständige Ausstattung, die aus der broschierten Ausgabe zu ver^ muten ist, lassen den Hinweis auf dieses Buch gerecht^ fertigt erscheinen. J. H. Das jüdische Museum in Prag. Von Prof. Dr. S. H. Liehen. CVerfag Dr. Josef Tfesch, Prag.J Die Durchführung des prager Regulierungsplanes brachte eine einschneidende Änderung des Stadtbildes der prager Judenstadt mit sich. Nachdem die Neusynagoge ein Opfer der Assanierung geworden, ging man im Jahre 1906 daran, die Zigainer- und Grossenhofsynagoge abzutragen. Die überaus wertvollen und in seltener Reichhaltigkeit vorhandenen Kultgegenstände der drei Synagogen drohten verschleppt oder gar vernichtet zu werden. Prof. Liebens Tatkraft gelang es, dies zu verhindern und gleichzeitig mit dieser Sammlung den Grundstock für das prager Jüdische Museum zu schaffen. Im Vereine mit seinem seither verstorbenen Freunde Markus Brückner, untere stützt durch den derzeitigen Präsidenten der Prager Kultus^ gemeinde Dr. A. Stein, konnte bereits im Jahre 1909 das jüdische Museum eröffnet werden. Die Geschichte des Museums und seiner Sammlungen beschreibt Professor Lieben in dieser mit gut gewählten und gelungenen Illustrationen versehenen Broschüre. — Es gibt eine Reihe von Museen mit jüdischen Abteilungen,- eine Anzahl jüdischer Museen mit historisch und künstlerisch weru vollen Stücken, ehrwürdigen Zeugen jüdischen Lebens, jüdischer Kultur und Geistesarbeit, wahre Fundgruben für Forscher und Künstler. Alle haben ein gemeinsames Los: Von Wenigen liebevoll gepflegt und gehegt, von der Menge kaum beachtet. Eine Popularisierung ist von nöten. Prof. Liebens Schrift sei ein Anfang. J. H. Graues Band. Acht Steinzeichnungen von Arieh Affweif, Wien 1924. Acht Blätter eines jungen recht strebsamen Künstlers,- zu wenig einheitlich und präzis, verraten sie überdies unvollkommene Vertrautheit mit der Technik. Äußerungen eines Talentes, dem es augenscheinlich weniger um die Form als um den Ausdruck zu tun ist. J. H. Das jüdische Efement in der Weftfiteratur. Von Artur Sakheim. {Verfag Hazoref Hamhurg.J Sakheim, Dramaturg eines hamburger Theaters, Literat vielleicht, Abkömmling eines angesehenen hebräischen Schriftstellers, gibt hier eine jüdische Literaturgeschichte. Nicht Geschichte der jüdischen Literatur im engen Sinne, sondern Geschichte der Literatur der Juden schlechthin. <In Europa und im vordersten Orient.) Mit Liebe und Umsicht zusammengetragen, übersichtlich gestaltet und kritisch beleuchtet, mag dieses Buch Manchem Anstoß geben, sich mit jüdischem Schaffen intensiver zu befassen. Die Art Sakheims, die Dinge und Menschen zu beleuchten, hat etwas ungemein erfrischendes, das die Lektüre des Buches zu einer persönlichen Angelegenheit gestaltet und ihm das trocken Gelahrte nimmt, das Literaturgeschichte meist zu einer peinlich^langweiligen Anhäufung von Namen macht, die durch die Brille eines professoralen Temperaments gesehen wurden. Dieses Buch aber hat Jugendfrische. Sonderlich sympathisch wirkt die Abwesenheit jener gesinnungsträchtigen Scheuklappenperspektive, aus der immer und immer wieder so manches, was von 299