Das Zelt
- Journal
- Das Zelt
- Volume
- 1 (1924)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1924)
- Date
- 1924-07-01
- Page
- Seite 243 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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DENKMÄLER JÜDISCHER TRAGÖDIEN BÖHMENS IN DER LITURGIE Neben ihren eigenen Leiden hatten die Juden auch hervorragend Anteil an den Leiden ihrer Umgebung/ Zeugen sind uns die Selichoth des Rabbi Salman Efraim Luntschitz zur jährlichen Erinnerung an den 2. Adar den Jahrestag des Einfalles der Passauer, den er 1611 schaudernd, und um die Gemeinde bangend, miterlebt hat,- sie stellen den Dank dar für die Errettung aus fast sicherem Verderben. Nicht minder kritisch war die Lage der Juden am Dienstag, den 14. Cheschwan 1620, als nach der Schlacht am weißen Berge ganz Prag der Plünderung preisgegeben schien und die Altstadt mit der Judenstadt dieser Plünderung nur durch ein Wunder entging. Kein Geringerer als Jomtob Lipman Melier, der berühmte Verfasser desTossafoth Jomtob, hat das Gedächtnis dieser Schrecken erhalten in zwei alljährlich an diesem Tage rezitierten Selichoth. Die blutigen Plünderungen der prager Judenstadt 1744 haben keinen Dichter gefunden, der sie verewigt hätte, das ist erklärlich, weil ja einige Monate später die Juden gänzlich aus Pragvertrieben wurden, wohl aber die Ausläufer dieser Plünderung gen, die sich über einen großen Teil der Provinz erstreckten, so vornehmlich der große Judenmord am 4. Tewet in Böhm.=Leipa, bei welchem 35 Personen getötet wurden, allen voran der Rabbiner R. Jona. Diese Selicha, die alljährlich am 4. Tewet in Böhm.=Leipa zitiert wird, ist auch historisch wertvoll wegen der genauen Aufzählung der Erschlagenen, unter denen sich auch R. Salman, der Vater des bald darauf verstorbenen gefeierten Gelehrten R. Abraham Postelberg, befindet. Zu den historisch wichtigsten Urkunden gehören auch die Gebete an den Jahrestagen großer Brände, vor allem die beiden prager Gebete, die an die großen Brände vom 3. Tamus 1689 un<l vom 28. Ijar 1754 erinnern (ihre Veröffentlichung steht bevor), dann der in der jüngsten Zeit veröffentlichte »el mole rachamim« an den großen Brand in der alten Judengemeinde Nachod am 10. Ijar 1660, dem mehrere Personen zum Opfer fielen, dann die gedruckte Selicha zur Erinnerung an den großen Brand in Jungbunzlau am 24. Ijar 1854, wohl das jüngste und letzte derartige Denkmal in Böh- PRAG: INNERES DER ALT= NEUSCHUL* SYNAGOGE SEITEN¬ ANSICHT DES ALMEMOR 243