Das Zelt
- Journal
- Das Zelt
- Volume
- 1 (1924)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1924)
- Date
- 1924-06-01
- Page
- Seite 210 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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JOSSEF TRUMPELDOR TRAUERSPIEL IN DREI AKTEN VON ASIS DOMET i. AKT KFAR GILEADI Eßraum der jüdischen Arbeiter Der Länge nach erstreckt sich der Saal bis in die Tiefe des Theaters. Links Ausgang, rechts Eingang in die Küche. Im Hintergrund befindet sich rechts eine andere Türe, die in den Hof führt. Zur Rechten steht längs der Wand eine Anzahl von Tischen und Bänken in einer Reihe. Links neben dem Eingang der Schuhmacherschrein mit dem Arbeitstisch. Hinter ihm ein Spieltisch zwischen zwei Fenstern, mit Schach und anderen Spielen darauf. Davor stehen zwei rohgezimmerte Stühle. Dicht daran, an der Wand, ein altes Klavier von er^ träglichem Klang. Durch das große Fenster im Hintergrund gewinnt man den Ausblick auf einen schönen Garten mit Ölbäumen und Palmen. Auf dem hintersten Tisch zur Rechten steht eine Musikmaschine. Später Nachmittag. (Links und rechts vom Schauspieler.) 1. AUFTRITT (Während der Vorhang aufgeht, ist Schmuel allein vor seinem Arbeitstisch zu sehen. Rochebeth unsichtbar in der Küche.) SCHMUEL: Seid ihr mit dem Baden zu Ende? ROCHEBETHS STIMME: Noch nicht. SCHMUEL: Das dauert lange. ROCHEBETH: Ist der Ofen nicht spät genug instandgesetzt worden? Wann sollte ich geheizt und das Brot gebacken haben? SCHMUEL: Wann könnten wir das Entliehene zurückerstatten? ROCHEBETH: Heute wohl nicht mehr. SCHMUEL: Dann kann sich unser Ehrenwort bis morgen schlafen legen. ROCHEBETH: Allem Anschein nach, ja. (Gongschläge hinter der Szene.) SCHMUEL: Was, schon Feierabend? ROCHEBETH: Ja, die träge Zeit hat sich in einen Vogel verwandelt. Sie eilt mit Windesschnelle dahin. SCHMUEL: So ists. Man sieht sich plötzlich vor dem gähnenden Grabe stehen. Schaudernd fragt man sich: Wie kam ich denn daher? Dennoch bleibts Keinem erspart. Schlafen legen muß sich alle Welt. 2. AUFTRITT (Grüßend treten nacheinander auf: Aharon, der sich zu seiner Musik begibt, Farkas, mit einem Buch in der Hand, setzt sich rechts an einen Tisch und liest,- zwei Chaluzim setzen sich an den Spieltisch und beginnen Schach zu spielen, ein dritter Chaluz beobachtet sie als Zuschauer, ein Vierter setzt sich zu Schmuel.) CHALUZ (zu Schmuel): Schalom, Schmuel! Ist mein Paar bald so weit? SCHMUEL: Wirst dich noch ein Weilchen gedulden müssen. (Hämmert.) CHALUZ: Fragt sich nur, wie lange dieses Weilchen dauern wird. (Vom Hintergrund wird ein Walzer gespielt.) FARKAS (vom Buch aufblickend): Soll das etwa eine Aufforderung zum Tanze sein? Noch vor dem Abendessen? AHARON: Nichts davon. Ich sehne mich nur nach meiner Lieblingsmusik. SCHMUEL: Sieht dir ähnlich. Gibts denn nichts besseres als diese erbärmliche Allerweltmusik? (Die Musik hört auf.) AHARON (mit Spott): Zieht ihr etwa eine eintönige arabische Weise vor? SCHMUEL: Sie ist mir trotz ihrer Einförmigkeit lieber als die Wiener Tritt- und Schrittmusik. Schon der erste Ton eines arabischen Liedes versetzt meinen Geist in die endlos scheinende Wüste, die trotz all ihrer Dürftigkeit überwältigend bleibt in ihren mächtigen Erscheinungen. Wesensgleich mit der Wüste ist das arabische Lied. Freilich für den oberflächlichen Beurteiler scheint es unendlich arm zu sein. Die leidenschaftliche Glut, die durch seine Töne zittert, kann nur Jener wahrnehmen, dem die Seele des Beduinen vertraut ist. Für ihn ist jeder Ton ein Aufschrei der verborgenen Seele. Laß uns darum eine arabische Weise hören, die viel inniger klingt als alle Walzer Europas. AHARON: Gut denn, so spielen wir Arabisches. (Kleine Pause. Arabische Weise.) CHALUZ: Das läßt sich hören, in der Tat. FARKAS: Es eignet sich wunderbar zu dem Buch, das ich lese. ZUSCHAUER (beim Schach): Es ist wie zur Begleitung des Schachspieles geschaffen. AHARON (spöttisch): Alles in allem also Morgenland. SCHMUEL: Das ist auch billig, so soll es immer sein. ERSTER SCHACHSPIELER (laut): Schach, Gevatter, hörst du? ZWEITER SPIELER: Schrei doch nicht so! Hältst du mich für taub? ZUSCHAUER (lächelnd zum zweiten): Ja, ja, mein Lieber. Schief gehts immer, wenn man schläft. In wenigen Minuten wirst du mattgesetzt. ZWEITER SPIELER: Von matt ist keine Spur. ZUSCHAUER: Ja, ja, einen Ausweg gibts wohl noch, aber die richtige Spürnase muß man hiezu besitzen. ERSTER SPIELER: Deine Zunge gleicht einer alten Windmühle im Tal. Wenn sie nicht immerfort in Bewegung gesetzt wird, verfaulst du am lebendigen Leibe. 210