Das Zelt
- Journal
- Das Zelt
- Volume
- 1 (1924)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1924)
- Date
- 1924-06-01
- Page
- Seite 208 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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AUS DER WELT DER CHASSIDIM halten den Stein vor eine Sägescheibe aus Phosphor^ bronze, hängende Gewichte drücken ihn automatisch auf die Säge, bis er endlich nach Stunden oder Tagen zerteilt ist. Die Sägescheibe, wie bemerkt aus härtester Bronze, dreht sich 3200- bis 3600 mal in der Minute und würde trotz ihres enormen Härter grades den Stein nicht durchsägen, wäre sie nicht mit einer Mischung aus Öl und Diamantenstaub präpariert. Säge steht neben Säge in langem Saal und teilt, beinahe ohne Aufsicht — nur ein Arbeiter revidiert je zwanzig Maschinen — diese höchstwertige Ware. Ist nun das Stück geteilt, dann werden die beiden Steine dem zweiten Teil der Bearbeitung zugeführt: sie erhalten die endgültige Form. Sie kommen zum »Schneiden«, was man aber besser als Reiben bezeichnen könnte. (Diese Arbeit ist der einzige Teil der Diamantindustrie, in dem auch Frauen in größerem Maße beschäftigt werden.) Abgesehen von den seltenen Fällen, da der Stein in der Hand gearbeitet werden muß, wird wieder zur teilweise maschinellen Bearbeitung gegriffen. Der eine Stein wird in einer rundgehenden Maschinerie befestigt, während der Andere, der in einem Halter eingelassen ist, vom Arbeiter in der Hand gehalten, an ihm gerieben wird. Dies geschient so lange bis alle Unebenheit der geriebenen Fläche verschwunden ist. <Das abfallende Pulver wird zu Industriezwecken gesammelt.) Durch diese Behandlung erhalten nun die Steine die gewünschte Form: rund, oval oder eckig, aber ohne jedweden Glanz. Das Polieren, das jetzt vorgenommen wird, geschieht an einer horizontalen Scheibe, die sich etwa 2200 mal in der Minute dreht, deren Reibungsfläche mit ölgetränktem Diamantenstaub bedeckt ist. Immer wieder wird die Lage des Steines auf der Scheibe geändert, so daß er schließlich die gewünschte Rautenpolitur erhält. Ein normaler Stein bekommt auf diese Weise 58 Facetten, doch gibt es auch eine große Anzahl von Phantasieformen, so die Form der Birne, viereckig geschnittene Smaragddiamanten usw. Nach dem Polieren werden die Steine in Säure gekocht und das wertvolle Endprodukt, wie es in den Handel kommt, liegt vor. Dies ist in kurzen Zügen der Werdegang dieses Produktes hauptsächlich jüdischer Arbeit. Der Diamantarbeit ist es zum nicht geringen Teile zuzuschreiben, daßAmster; dam groß wurde,- dieses Künste Handwerk aber ist auf Gedanken^ kraft,unend; lieber Mühe und zäher Arbeit von Juden aufgebaut. AUS DER WELT DER CHASSIDIM VON CHAJIM BLOCH DIE GESCHICHTEN Rabbi Chajim von Sandez wurde von einigen auserlesenen Männern befragt, ob die Geschichten, die man vom Baalschem erzählt, wahr seien und in der Tat geschehen sind. Er antwortete: »Ob sie sich in Wahrheit zugetragen haben, vermag ich euch nicht zu sagen,- versichern aber kann ich, daß sie wahr sein konnten, und daß der Baalschem mit seinem mächtigen Worte auch Tote erwecken konnte. GEGNERSCHAFT Es kamen seine Jünger und redeten: »Unsere Gegner, die Rabbinen in Brody verleumden uns, daß wir Gott behüte das Gesetz umgehen und die alten Bräuche mißachten. Wir halten es nicht länger aus und müssen ihnen antworten.« Er erwiderte: »Unsere Gegner tun dies gewiß im frommen Eifer, sie denken, daß sie ein gutes Werk vollbringen und haben Freude daran. Wie dürfen wir sie um diese Freude bringen?« 208