Das Zelt
- Journal
- Das Zelt
- Volume
- 1 (1924)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1924)
- Date
- 1924-06-01
- Page
- Seite 207 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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EIN JÜDISCHES KUNSTHANDWERK zehn Arbeiter den Besitzer mit »Herr« ansprechen. Die Diamantleute bilden eben eine Familie. Wo sie nicht irgendwie miteinander verschwägert sind — meist ist ja die Beschäftigung mit Diamanten uralte Familientradition — umschlingt sie das starke Band der Liebe zu diesem Beruf. Hier einige kurze Bemerkungen über die Diamantarbeit selbst: Der im Rohzustand eingelieferte Stein wird in erster Linie auf die Fledtenlosigkeit untersucht. Fleckenlose Objekte kommen aber äußerst selten vor. Meist hat der Stein kleinere oder größere Unreinlich^ keiten, sodaß es erste Sorge sein muß, ihn so zu spalten, daß die LInreinlichkeit wegfällt und dennoch sein größtmögliches Gewicht erhalten bleibt. Das Ziel der Arbeit ist es also, Steine von größtmöglichem Gewichte und hellster Reinheit zu erhalten. Es ist daher eine Teilung des rohen Steines notwendig, eine Teilung, die so verläuft, daß die Teilungsflächen in dem unreinenPunkt zusammentreffen. Das Teilen des Steines, eine Arbeit, die vieljährige angestrengte Übung und ein sehr sicheres Auge voraussetzt, kann nach zwei Methoden erfolgen: entweder durch Spaltung durch den Meißel oder durch Sägen. Die Wahl der Methode ist Sache Dessen, der den Stein bis ins letzte Detail studiert, ehe er zurBearbeitung kommt. Er ist es auch, der die Spaltungslinien mit schwarzer Tinte auf dem Rohdiamanten selbst bezeichnet. Nun ritzt der Spalter mit Hilfe eines geschliffenen Diamanten eine Einkerbung auf die bezeichnete Linie, stellt ein Messer aus härtestem Stahl in den Einschnitt und ein kurzer Schlag mit einem Hammer spaltet den Stein in zwei Teile. Es ist selbstverständlich, daß die Spaltung nur parallel zu den natürlichen Oktaederflächen des Steines vor sich gehen kann. Ist aber die Lage der Verunreinigung eine solche, daß diese Methode nicht in Betracht kommt, wird der Stein in die Säge eingespannt, und zwar derart, daß die Schnittfläche einen Winkel von 45 Graden zur Spaltkristallfläche bildet. Zwei kleine Stäbdien 207