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Das Zelt · 1924-05-01 · Heft 5 (Mai 1924) · p. Seite 180

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Zelt
Volume
1 (1924)
Issue
Heft 5 (Mai 1924)
Date
1924-05-01
Page
Seite 180 (sequence 35)
Language
German
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M. MUTER KINDERGRUPPE MIT HUND M. MUTER MUTTERSCHAFT MELA MUT ER VON JOSEF HAHN Wenn eine Frau in den bildenden Künsten zu irgendwelcher Bedeutung gelangt ist, verdankte sie es stets entweder dem schweren Ernst ihrer schier männlichen Hand oder dem ganz verspielt Weibliehen ihrer Psyche. Ich denke bei diesen Extremen etwa an die Käthe Kollwitz oder Berthe Morisot, Manets Gattin, auf der einen und die Laurencin und Renee Sintenis auf der anderen Seite. Klarerweise ist das Erstaunen groß, wenn man einer Malerin begegnet, die sich in keine der beiden oben angeführten Kategorien einschachteln läßt. Das ist der Fall bei — Mela Muter. Im ersten Saale der vorjährigen Ausstellung des Salon d'Automne hingen neben Bildern des Holländers Kees van Dongen zwei Überlebens^ große Gemälde »Mutterschaft« und »Fruchtbarkeit« der Frau Mela Muter. Im ersten Augenblick war man frappiert. Diese Mutter mit den harten strengen Zügen, die ihren Säugling in andere Wäsche umlegt, und die Schwangere unter dem herbstlich fruchtvollen Baum, diese beiden Frauen sind überlebensgroß. Ein primitives Mittel, um eine allegorische Wertung zu erreichen, ein einfaches Mittel, um Monumentalitätseindrücke zu erwedien. Manchmal zu einfach, denn wenn das technische Können nicht ausreicht, die über das Leben hinausgehende Masse zu motivieren, schlägt das Kolossale ins Lächerliche, ins Winzige um. Frau Mela Muter, deren Name schon sie zu diesen Bildern prädestinierte, hat das technische Können, um ihre ganze Gefühlsskala zu begründen und mehr als wahrscheinlich, nämlich zu einem geistigen Erlebnis zu machen. Auch die Kollwitz ist weiblich, auch die Kollwitz ist mütterlich, aber diese beiden Eigenschaften sind bei ihr Attribute, sind vom Sozialen ihrer Bilder überwuchert. Mela Muter zwingt den Beschauer zuerst das Mütterliche, das weiblich Animalische, das in ihren Bildern liegt, zu sehen, und die Frage wirft sich auf, ob in ihrem Sujet nicht mehr Sozialität liegt als in dem der Käthe Kollwitz. Zweifellos aber ist es das slawische Element in ihr, das ihr so viel Kraft gibt. Sie lebt seit ihrem achtzehnten Jahre, ihr halbes Leben in Paris und ihr Atelier ist die Sammelstätte aller guten Geister Frankreichs und ihrer polnischen Heimat. Sie hat Stadtbilder gemalt und Stilleben und Baumgruppen. Alle diese Bilder sind ohne Interesse. 180

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