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Das Zelt · 1924-04-01 · Heft 4 (April 1924) · p. Seite 124

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Zelt
Volume
1 (1924)
Issue
Heft 4 (April 1924)
Date
1924-04-01
Page
Seite 124 (sequence 15)
Language
German
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L. GOTTLIEB: DIETRICHSTEIN ÖL L. GOTTLIEB: FRAUENSTUDIE ÖL DREI JÜDISCHE KÜNSTLER <ZU IHRER KOLLEKTIVAUSSTELLUNG BEI WÜRTHLE) Im Kunstsalon Würthle hatten vor kurzem drei jüngere jüdische Künstler ihre Arbeiten ausgestellt. Die Maler Leopofd Gottfieß, Tritz Groß und der Bildhauer Jakoß Low. Der tiefste, eigenartigste der Drei ist Leopold Gottlieb*, der Bruder des jung verstorbenen Lieblings^ schülers Matejkos, Maurycy Gottlieb. Vor dem Kriege war er lange Jahre in Paris tätig (wo er sich auch seine gediegene Malkultur angeeignet hat), eine Zeitlang auch in Jerusalem als Lehrer an der dortigen Kunstschule »Bezalel«. In seinen Bildnissen zeigen sich disparate Richtungen vertreten. Cezannes Einfluß in seiner Frau mit gewürfeltem Umhang. Das Bildnis des Journalisten Dietrichstein <ein Meisterwerk wuchtigster Prägung) in Form und Farbe durchaus impressionistisch aufgefaßt, packend durch die Vergeistigung des Dargestellten, durch die Art, wie die in braun und grün, mit blauen Zwischen^ tönen gegebene, vom Bildrand mehrfach überschnittene Gestalt aus schwelendem Gelb des Hintergrundes * Biographische Daten von L. Gottlieb nebst eingehender Würdigung seiner Persönlichkeit in A. Weixelgärtners Aufsatz in den Graphischen Künsten von 1920. herauswächst. Gottliebs sensible Natur äußert sich am eindringlichsten in seinen expressionistischen Kompositionen. Nach dekorativen Grundsätzen, auf dem Rhythmus der geschwungenen Linie aufgebaut, klingen seine gemalten Phantasieen in der sanften Melodie zartgetönter, aufeinander abgestimmter Farben aus, die in den <farbiger empfundenen) Holzschnitten durch den Kontrast von schwarz und weiß ersetzt sind. Sein Gegenpol, der noch sehr junge F. Groß, ursprünglich von Beruf Architekt, der sich —- ein begabter Autodidakt — erst vor wenigen Jahren ganz der Malerei ergeben hat. Ein virtuoser Zeichner, Impressionist, der in bewegten Gestalten, malerischen Städtebildern Bestes leistet. Von scharfer Beobachtungsgabe, die auch seinen allerdings noch der Zusammenfassung des Wesentlichen und damit auch der Verinnerlidiung entbehrenden Bildnissen zustatten kommt. Als Kolorist versagt er noch. Wahllos bunte Farbengebung trägt Unklarheit und Wirrnis in sein Bild. Selbsterkenntnis und Selbstzucht auf der einen Seite, auf der anderen — zwecks Entwiddung seines Farbensinnes — das Studium der französischen 124

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