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Das Zelt · 1924-04-01 · Heft 4 (April 1924) · p. Seite 121

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Zelt
Volume
1 (1924)
Issue
Heft 4 (April 1924)
Date
1924-04-01
Page
Seite 121 (sequence 12)
Language
German
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CHANA ORLOWA AUGUST PERRET BRONZE Eine Erscheinung allerdings ist auffallend: gerade jetzt, zu einer an bildhauerischen Talenten so armen Zeit, hat gerade Rußland eine ganze Reihe von Bildhauern hervorgebracht, von denen ein paar von großer Bedeutung sind, die andern sehr interessante Erscheinungen. Und innerhalb der russischen Skulptur spielen die Juden eine große Rolle. Schon vor bald einer Generation, als die Juden in der russischen Kunst kaum sich noch hervorgetan, war die Zahl und die Rolle der jüdischen Bildhauer überraschend,- von dem vornehmen und gediegenen Handwerker Antokofski, der offiziell zum größten russischen Bildhauer seiner Zeit proklamiert und hierdurch und durch seine große Popularität so furchtbar über^ schätzt war, über den unbedeutend, kleinlichen Genristen Ginsßerg, den ganz faden Bernstein — bis zum Rodin^Nacheiferer Aronson, der den Meister herzlich verkitschte —- sie alle waren eine Zeitlang die Zierde der russischen Skulptur — um die Wende des Jahrhunderts. Hatte die verflossene Berühmtheit dieser Künstler den Charakter einer provinziellen Familienangelegenheit und breitete sich unkontrollierbar hinter dem Rücken der europäischen kritischen Meinung, so hat die neueGeneration der russischen jüdischen Bildhauer es zu europäischer Anerkennung und Ruhm gebracht. Fast alle leben sie in Paris, wo ihnen ein erster Platz eingeräumt ist. Jacgues Lipscßitz sogar gilt als Führer der französischen expressionistischen Skulptur, spielt die Rolle wie etwa Archipenko in Deutschland. Ferner wird dort sehr geschätzt: 'Zadkin, Paifes, unsere Orfoiva und in einigem Abstand Mescfitscßaninotv. In Rußland zu nennen: Der sehr begabte konstruktivistische Experimentator Gaßo, auch Tscßaj&ow und Sintajsfii. Dies Tatsache. Deuten, was daran jüdisch, wird wenig nützen. Doch zum Problem der Weiblichkeit zurückkehrend und um etwas tiefer zu tüffteln: In der Liebe zur Rundheit, zu den kugligen, geschlossenen Formen, in der Scheu vor Ecken, in der Ausschaltung jeglicher Aggressivität, in der Fremdheit aller Pose allem Heroischen gegenüber liegt etwas Gütiges, Nachsichtiges, Erhaltendes — Mütterliches. Das psychische Moment bei ihr ist also doch das Weibliche. PORTRÄT EINES JÜDISCHEN MALERS GIPS 121

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