Das Zelt
- Journal
- Das Zelt
- Volume
- 1 (1924)
- Issue
- Heft 3 (März 1924)
- Date
- 1924-03-01
- Page
- Seite 84 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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PHOTO S. FANTL BEDUINE VOM STAMME BEN1 SACHR EIN B E D U I VON EUGEN HOEFLIC Der Autor vertritt den panasiatisaSen Gedanken im Zionismus. „Der Jude ist Teil der orientafisaSen Vöfäerfamifie,- er muß sicf) von Europa emanzipieren und in ihren Schoß, afs Bruder zum Bruder, zurückkehren." Es erschienen Bis nun von Eugen Hoeflich: „Der Weg in das Land" {vergriffen) ,- „Der rote Mond" CR- Löwit Vertag, Wien),- „Teuer im Osten CE. P. TafVerfag, Wien),- „Die Pforte des Ostens" CB. Harz Verfag, Berfin). Als eines Tages Ahmed, ein sehniger junger Mensch aus dem Stamme der Beni sachr, mit Kamelwolle nach Damaskus kam, wurde er gelegentlich eines Streites, den er mit den Baumwollhändlern im Basar hatte, von französischen Gendarmen ver^ haftet. Der Vorwand zur Verhaftung dieses auf* fallend kräftigen Menschen war ein nichtiger, der unter gewöhnlichen Umständen und in Ländern, da es nicht Herrscher und Beherrschte gibt, kaum stichhältig gewesen wäre. Hier aber genügte er, um den Wüstensohn, der zum erstenmal in seinem Leben mit den Boten westlicher Kultur in Berührung kam, in den Polizeiarrest, eine alte düstere Karawanserei, deren Nächte die Ratten durchpfiffen, zu bringen. Dem Stamm, der irgendwo in der großen Wüste zeltete, zu ferne, um Hilfe herbeizurufen, mit den Genossen der Reise in die große Stadt ohne Verbindung, erschüttert noch von all dem Neuen, das sich mit einem Male ohne jeden Übergang vor ihm aufgetan hatte, mußte er sich dazu entschließen, die Macht der fremden Gesetze, die ihm unbegreiflich blieben, anzuerkennen, wenn sie auch sein Leben mit einem Schlage änderten. NE AHMED! <M. J. BEN GAWRIEL) Er kannte sein Vergehen nicht, das ihn plötzlich vor das Unfaßbarste, vor den Verlust seiner Freiheit, gestellt hatte, dumpf nur fühlte er, daß er ganz plötzlich in einen Kampf geraten war, der nur mit Sieg, mit Freiheit oder mit Niederlage, mit Tod enden konnte. Ein drittes gab es für ihn, der Kompromisse in seinem kampfgewohnten harten Leben des Beduinen nicht kennen gelernt hatte, nicht. Vor die Entscheidung gestellt, Zwangsarbeit in einem allem Lichte fernen Gefängnis zu leisten oder aber als Soldat sich in das eingeborene Kamelreiterregiment einreihen zu lassen, wählte er ohne Überlegung — drei Tage hatte er die Luft des Gefängnis geatmet — das Letzteie, einesteils, weil es ihm als das Natürlichere erschien und weil er instinktiv fühlte, daß Zwang zur Arbeit Tod, also das Aufgeben jeder Hoffnung auf Fortsetzung des ihm aufgezwungenen Kampfes bedeute, — andererseits weil das Soldatentum ihm größere Möglich^ keiten gab. Vor die Assentkommission geführt, antwortete er, da er keinen Weg zur Flucht sah, auf die Frage, ob er Soldat werden wolle, mit einem gleichmütigen »Inschallah! Wenn es Gott will!« Er wurde in eine Kaserne gebracht, die ihn vom ersten Augenblick an beengte, weigerte sich in einem Bett zu schlafen, weil er es als Wüsten^ nomade nicht kannte, zog sich durch diese Weigerung die Feindschaft des Unteroffiziers zu und wurde von der Maschinerie des Militarismus erfaßt. Er, 84