Das Zelt
- Journal
- Das Zelt
- Volume
- 1 (1924)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1924)
- Date
- 1924-02-01
- Page
- Seite 44 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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REM BRANDT UND ISRAELS empfindung ein und malt unmittelbar wie ein Realist — allerdings auch das Instinktleben dieses Judenkreises. Und er erreicht nun durch beides, durch die Zurückhaltung des Mitgefühls und durch die Bloßlegung der Instinkte, jenen merkwürdig frischen und kräftigen Ausdruckstil seines Alters, durch den er Rembrandts Spätwerken so nahe kommt. Aber sonst erweist sich gerade an diesen Juden* bildern der Unterschied der beiden helldunklen Meister. Derselbe Israels, der sein jüdisches Blut in das dämmernde, tönende Lichtwesen seiner holländischen Stoffe mit immer reicheren, immer sanfteren Weisen einströmen ließ, wird hier herb, fast karg, er unterdrüdtf: die Melodie der mit* schwingenden Seele. Aus Scham und aus Bedenken. Aus Scham, weil er selbst ein Sohn dieses Volkes ist, und aus Bedenken, weil er jeder anklagenden Deutung, jeder Tendenz aus dem Wege will. Darum fehlt gerade diesen Gemälden das subjektive Merkmal seiner übrigen Kunst, darum entfernen gerade sie sich von den Judenbildern Rembrandts, den Wunderwerken bewegter Einfühlung. Und dieser Kontrast hält selbst bei den jüdischen Historien noch an,- man vergleiche nur die kalte, wüste Stimmung in Israels' »David und Saul« <im Stedelijk*Museum zu Amsterdam) mit der zum Herzen greifenden, erschütternden in dem gleich* namigen Bilde von Rembrandt <im Mauritshuis im Haag). Aber auch die sinnliche Schönheit und die wahrhaft fürstliche Phantasie, womit der Altholländer selbst die jüdischen Bettler noch beschenkt, sie fehlen dem ganz aufs Innerliche gerichteten Enkel. Und dieser tiefgreifende Gegensatz umfaßt auch sein sonstiges Werk. Die Kunst des Israels ist in allem näher natürlich umgrenzt, sein Helldunkel ergibt sich fast geradewegs aus den dämmernden Atmosphären seiner holländischen Heimat, seine Färbung setzt nicht selten mit erdiger Frische an und auch wo sie metallen austönt, ist es nicht die heroische Bronze Rembrandts, sondern ein milderes, matteres, grünlich geblendetes Silber. Für Rembrandts Geistesflug ist keine Landschaft zu groß, die Kraft seiner Magie öffnet die Tore zu jen* seitigen Sphären, wo das Hymnische wohnt. Der Bezirk des Israels ist die Stube und das Herz der Menschen. Aus seinen Bildern löst sich nur ein Lied, schlicht und rührend. Durch alles das ist er —« gegenüber dem anschauenden Germanen Rembrandt — ein empfindender jüdischer Künstler gewesen. Der reinste und reichste, den die Geschichte kennt. 44