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Das Zelt · 1924-01-01 · Heft 1 (Januar 1924) · p. Seite 33

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Zelt
Volume
1 (1924)
Issue
Heft 1 (Januar 1924)
Date
1924-01-01
Page
Seite 33 (sequence 43)
Language
German
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DER HERVORRAGENDSTE JÜDISCHE ARZT IM ZEITALTER REMBRANDTS VON PROFESSOR DR MAX NEUBURGER Im Porträt des sinnend auf der Treppe stehenden Epßraim Bueno hat der Genius Rembrandts den Typus des portugiesisch-jüdischen Arztes für die Nachwelt festgehalten. Und der Literatur, welche sich an Uriel da Costas Leidensgeschichte knüpft, dankt es Samuef da SiCva, der Arzt, der dem Leugner des Unsterblichkeitsglaubens entgegentrat, daß auch sein Name noch heute weiteren Kreisen nicht unbekannt ist. In der Geschichte der Medizin aber hat Keiner der Beiden Spuren hinterlassen, um so mehr dafür ihr Zeitgenosse, der berühmte, bis zum Ausgang des XVIII. Jahrhunderts in der ärztlichen Literatur als Autorität häufig zitierte amsterdamer Praktiker Aßraßam Sakut oder wie er sich latinisiert in seinen Schriften bezeichnet —- Zacutus Lusitanus. Es gibt keinen Medikohistoriker, der dieses Mannes nicht gedacht hätte — freilich nicht immer mit gerechter Würdigung —- ja sogar eine sehr eingehende Monographie wurde seinem Andenken vor einigen Jahren von dem portugiesischen Forscher Lemos gewidmet. Zacutus, der Sprößling einer altangesehenen jüdischen Familie, welche in Portugal unter der Maske des angenommenen Christentums auch nach dem Verbannungsdekrete Emanuels zurückgeblieben war, wurde 1575 in Lissabon geboren. Er empfing eine sehr sorgfältige Erziehung, studierte in Salamanca und Coimbra, um sodann an der Universität Seguenza den medizinischen Doktorgrad zu erwerben. Nach seiner Promotion ließ er sich in seiner Vater- Stadt als praktischer Arzt nieder und blieb daselbst dreißig Jahre. Er erlangte durch Gewissenhaftigkeit und Tüchtigkeit hohes Ansehen, zählte zu seinem Klientel auch Vertreter der vornehmsten Kreise. Es gelang ihm, das bloß literarische Wissen durch eigene kritische Beobachtungen auf dem Gebiete der Krankheitslehre, Krankenbehandlung, Arzneimittel^ lehre sehr bedeutend zu ergänzen. Erneuerte Nachstellungen der Inquisition zwangen Zacutus aber schließlich, die Heimat zu verlassen {1625) und gleich vielen anderen Leidensgenossen in den toleranten Niederlanden Zuflucht zu suchen. Amsterdam ward seine neue Wirkungsstätte. Dort durfte er sich zum Judentume, dem er innerlich stets angehört hatte, ungefährdet öffentlich bekennen. Wenn ihn auch die Sehnsucht nach dem naturschönen Portugal nie verließ, so konnte er sich doch fortan im Besitze seelischer Harmonie, als aufrechter Mann, ganz seiner J kkh.%. ausgedehnten Praxis, seinen unablässigen Studien und einer sehr umfangreichen schriftstellerischen Tätigkeit widmen. Er starb 1642, betrauert von den Armen, die er stets mit Rat und auch mit Geld unterstützt hatte. Das menschenfreundliche und erfolgreiche Wirken des Arztes wird wohl eine Zeitlang durch mündliche Tradition späteren Geschlechtern überliefert, entscheidender für den Nachruhm sind aber die wissenschaftlichen Werke, durch die er die Literatur bereichert hat. Zacutus war nicht allein ein angesehener Praktiker, sondern auch ein Autor, dessen Arbeiten volle Beherrschung des vorausgegangenen und zeitgenössischen Wissens, eine überraschend reiche, selbständig erworbene Erfahrung, kritische Denkweise und hohe ärztliche Ethik erkennen lassen. Man hat ihn zutreffend mit dem Deutschen Galen, mit Sennert verglichen, und es dürfte nicht zuviel gesagt sein, wenn man behauptet, daß das Studium seiner Werke noch heute viel des Interessanten in klinischer, pathologisch-anatomischer und therapeutischer Hinsicht bietet. 33

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