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Das Zelt · 1924-01-01 · Heft 1 (Januar 1924) · p. Seite 24

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Zelt
Volume
1 (1924)
Issue
Heft 1 (Januar 1924)
Date
1924-01-01
Page
Seite 24 (sequence 32)
Language
German
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GESANG AN PALÄSTINA So lieblich war sein Haupt, silbern und durchsichtig zart sein junger Hals, so mild sein Auge, das auf den schmutzigen, grünlich vermoderten Stein nieder^ blickte. Ergeben und hold neigte sich sein silbernes Haupt nieder zur Pflicht, zum Schicksal, zum Verhängnis alles Lebenden auf dieser verdüsterten Erde. Meine Lippen berührten das zarte Haupt des Tieres, des Lieblings der beladenen Seelen, des seligen Gefährten des gemarterten Menschen. Mit einem Kuß besiegelte ein Beladener, Beschwerter den göttlichen Bund aller leidenden Kreatur auf Erden, in vielerlei Gestalt. Tauben fliegen über den lichten Plan um die Omarmoschee. Die blauen Mauern streifen sie mit ihren Federn, ihre Flügel sind eins mit dem Himmels^ licht, ob Morias Felsendom. Sie waren Zeugen, die hellen Tiere — auch ihr, sanfte gelbliche Kamele, melodisch Schreitende — der alten Sagen, der unsterbliehen Legende der Schrift. Der Tiere Leben währt ewig, weil sie sich nicht erinnern können. Sie sind von Anbeginn, weil Niemand, weil nichts ihre Geburt, ihren Tod vermeldet. Tausend Geschlechter rollen ab um die unzerrüttbare Mauer des Tempels. Tausende wilder Menschwellen, verzweifelter Menschenangesichte Brandung zerschellt an der unverrückbaren Unendlichkeit der Legende Moses, der Legende Jesus, der Legende Tamerlan, der Legende Chaluz. Sie aber, die Tiere des Orients, sanfte, bedrückte, stumme, leben ihren Tag und überdauern den wandelbaren Menschen. Gegrüßt du rote Wolke in der Zauberstunde vor dem Dunkelwerden über der Heiligen Stadt. Auch du, Himmel, grüßtest mit kaum gewandelter Gnade auf die erkorene Stadt, die Himmelsstadt meines alten, ewig lebenden Stammes. Kommen und gehen sah ich die Röte ob Zions Feste. Mein Herz pochte wild und in schrankenlosem Jubel der blutgetränkten Dämmerung entgegen. Ahnend die Nacht, erquickte sich mein Auge an dem Horizont um die begnadete Himmelsstadt. Blinde Jeruschalajims! Lebt ihr im Dunkel? O nein. Wir leben im Licht. Hell wallt der überirdische Glanz der Erzengel, unserer Brüder ohne Sinne in unsere körperlose Finsternis herüber. Mit tastendem 24

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