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Der israelitische Volkslehrer · 1857-10-01 · Heft 10 (Oktober 1857) · page 24

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Journal
Der israelitische Volkslehrer
Volume
6 (1857)
Issue
Heft 10 (Oktober 1857)
Date
1857-10-01
Page
– (sequence 24)
Language
German
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310 Rundschau nehmen! — Wenn er klug ist, fragt er dte Herrn gar nicht und covulirt sich selbst, wie dieß ein Preußischer Rabbiner gethan! — Und so komme auch ich, aus bitterem Ernst über diese unerhörte VerdammungSsuchl, selbst in öen Scherz! — VUMUs vst, sat^un nou sorid^rk! — Red.) Wie Sie bereits wissen, sind die Stellen an der nenbegrnndeten jüdischen Schule zu Pesth bereits von Seite deS Unterrichtsministeriums besetzt. Es ist jedoch meines Wissens bisher nicht entschieden, ob auch diese Schule von Seile deS katholischen Consistoriums beaufsichtigt wird, oder ob diese« den weltlichen Behörden zusteht. Jedenfalls ist es eine besondere Anomalie, daß jüdische Schulen von Seiten katholischer Geistlichen überwacht würben. Diesem Uebelstande sollte abgeholfen werden und zweifle ich nicht daran, daß ein solcher Schritt Erfolg haben werde, wenn derselbe durch ein Collectivgesuch mehrerer Gemeinden unterstützt werven möchte. Sämmtliche Krönländer der Monarchie wo Juden wohnen, leiben an diesem Uebelstande und es würde keine Schwierigkeiten bieten, diesen gemeinsamen Schritt zu inachen. Wie ich höre, ist die Frage in Betreff der Anstellung jüdischer Lehrer bei der neu zu errichtenden höheren Handelsschule in Wien bereits entschieden. Es wurde die Concessiou gemacht, daß Juden Mathematik und Kalligraphie unterrichten dürfen, von den anderen Gegenstanden sind sie ausgeschlossen. Wie Sie sehen, ist dadurch das Prineip nicht einmal zur Hälfte gerettet, denn Geographie und Handelswissenschaft find für Juden ausgeschlossen, nnd doch, dachte ich, liegt in diesen Wissenschaften weder ein katholisches noch ein jüdisches Moment oder überhaupt etwas Religiöses!- Sonst habe ich Ihnen wol wenig von Wien zu melden. Der Sommer reist da nickt die Früchte auf dem Ackerfelde deö Judenthums. Die hervorragendsten Mitglieder deS Vorstandes sind abwesend und ebenso suchen die meisten Beamten Erholung von den Müheu der Arbeit während des Jahres. Mit Ausnahme des Predigers sind noch alle Functionäre für den neuen Tempel, der Chanuka oder Pessach eingeweiht werden soll, noch .^n wählen. Ebensowenig ist lrol) des neuen Schuljahres, welches am 1. Oktober beginnt, die vaeante ReligionSlehrerstetle besetzt. In Betreff unserer Stellung nach Außen sind die Aussichten sehr düster und die Hoffnungen sehr gering. Es bleibt uns nur die Hoffnung, daß die Zeit einen neuen Umschwung herbeiführen wird. Eine AusnahmSstellung haben die Juden in Italien. Ihnen ist es nicht verwehrt, Grund und Boden anzukaufen; auch bekleiden manche von ihnen hervorragende Aemter. Dabei ist noch zu bedenken, daß dieselben ein sehr kleines Hauflein bilven. Es bestehen im Ganzen fünf Gemeinten: Mantua, Verona, Rovigo, Padua, Venedig, und keine dieser Gemeinden hat 3000 Seelen. In Rovigo sind etwa 3vt). In Mailand dürsten sich eben sc viele Juden befinden, doch bilden dieselben keine Gemeinde. Es gibt wohl da Männer, die den Wunsch hegen, eine Gemeinde zu gestalten, aber es ist bis jetzt der zusammenhaltende Faden noch nicht gefunden. — D?r Gottesdienst wird eknzelnweise geregelt und ist auch zumeist bei demMn ein geregelter Chor eingeführt. Ebenso ist daö LewuoQs-esrH'Gebet ohne Wiederholung beim öffentlichen Gottesdienste üblich. Nichts desto weniger gibt es auf diesem Gebiets noch gar Manches zu schaffen und zu gestalten. — Was ich bei den österreichisch-italienischen Juden als besonders hervorheben muß, ist, daß der größte Theil derselben wohlhabend ist. Es jmd die Güter dieser Erde, wenn auch nicht überschwenglich, doch in gesegnetem Maße vertheilt. -^^5»«S.»4^,m-^_— Berichtigung» Zm vorigen Hefte ist S. LSI, Z. 2! v. unten Gemeindevorsteher sur Etmcindevorster zu ksen.

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