Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1857)
- Date
- 1857-10-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3129675-3129778-3129789--2189-3133161- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Amerikanische Zustände. 303 ES ist schwer zu sagen, welches zu dieser Zeit die wirklichen Lehren der Juden sind. Der alte Unterschied zwischen Sadducäern und Pharisäern ist so ziemlich (!) verschwunden; die Letzteren herrschen in den Synagogen und haben auch sonst überall die Oberhand. Zn Afrika, sagt man, sollen noch einige von den ersteren gesunden werden, welche die Auferstehung des Leibes leugnen. 'Wen eigenen Rabbinern zufolge herrscht alleinhalben viel Unglaube unter denselben, und die niederen Klassen sind sehr unwissend und wenig unterrichtet über die wahre Beschaffenheit ihres Glaubens. Die Gelehrteren sind sehr scharfsinnig und gewandt in der Verteidigung ihrer Ansichten, und sind schwer zu besiegen M Streite. Unter diesen ist es eine gewöhnliche Meinung, daß hie Socinianer ihrem Glauben sehr nahe kommen, und daß sie Znveil werden würden, wäre nicht die Zeremonie der Beschneidung das Hinderniß. Die Synagogen in dieser Stadt sind zahlreich und mehrere derselben sehr elegant in ihrem Innern. Der Gottesdienst ist feierlich und ernst> und der Eifer, womit die Gebete recitirt werden, iß bemerkbar. Wir haben Thränen die Wangen von Männern ztsetzten Alters herabfließen sehen, während sie ihre inbrünstigen Prüfungen des Gottes ihrer Väter aussprachen. Die Gebräuche ihrer Religion werden in dieser Stadt von einer großen Zahl der Gläubigen sehr gewissenhast beobachtet, und manche dieser Gebräuche sind sonderbar genug Das Fest der Laubhütten wird von Buchen auf die strengste Weise gefeiert, indem sie während des bestimmten Zeitraumes wirklich ihre Häuser verlassen und in ihren Gärten wohnen. Die jüdische BeMkeruug dieser Stadt wird von Vielen auf ZV,lM Seelen geschätzt. Cs ist ganz und gar unmöglich zu sagen, lvie hoch sich ihre Anzahl in der ganzen Welt beläuft. Eine neuerliche Schätzung gibt die ganze Summe auf zehn Millionen an, ivss drei und ein Drittel Mal mehr ist, als sie zu der Zeit be-!rug, da sie in Kanaan waren. Andere vernntthen, daß ihre An- M sechs Millionen beträgt. Ihre Zerstreuung über die Erde ist tm merkwürdige Erfüllung der Vorhersagungen ihrer Propheten; ckr an ihre endliche Zurückführung in ihre alte Heimath wird Mommen geglaubt. Der Zeitpunkt dieser Rückkehr wird von Mgen Schristerklärern auf das Jahr 1866 festgesetzt (!), der Fall W türkischen Reiches soll ihr jedoch vorausgehen. Wenn wir jedoch Gstd am Ltr 6 et hinaufgehen, sehen wir keine sonderliche lüorbereitung noch ein großes Verlangen nach einem solchen Ereignisse, wie ein Ausflug nach Palästina." Gutmann. VII. 24