Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1857)
- Date
- 1857-07-01
- Page
- – (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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Nnudschan. Wenn dadurch unsere christlichen Mitbürger in der Stadt ein eben so schönes Zeugniß für ihre eigene Unparteilichkeit als für die Vertrauens? Wertigkeit ihrer jüd. Mitbürger au den Tag gelegt haben, so scheint auf tem Lande noch der Zopf aus ,,sothamr" Vorzeit in schönster Blüthe zu gelben. — Zu unserer kleinen Republik gehört zur Halste auch ein Dorf, M in seiner zwiefachen Halbheit ein schönes Bilv von Deutschlands Eindeit gewährt. ist diefts die Ortschaft Niederursel. Dieses Dorf H von einem Bache durchflössen, welcher dasselbe in zwei Theile scheidet, w!?yon der eine republikanisch-Frankfnrtisch, der andere »nonarchisch-Groß- Hnzogiich-Darmstadtisch ist. Die republikanische Seite ist dadurch auSgezeich' daß sie rein christlich ist, nämlich in ihrer republikanischen Strenge keine Juden duldet; die monarchische Seite ist toleranter, und dort ist seit Unqer Zeit eine jüdische Gemeinde angesiedelt. Nun hat aber das monarchisch republikanische Dorf natürlich auch Manches gemeinsam, uuter anderem auch die Schule. Diese wird ans gemeinsamen Mitteln erhalten, und d^m auch die Inden zu ihrer Erbauung beigetragen. Da nun die dortige jüdische Gemeinde, in der neueren Zeit sehr herabgekommen, unter einer banden Schuldenlast seufzt, und die schweren Ausgaben für CultnS und Ae!igionsuuterricht kaum mehr zu erschwingen vermag, so hat sie sich zuilMtnsvoll an ihre nichtiSmelitischen. Gemeindegenossen gewendet, daß ihr Matlet werden möge, in sonst schulfreien Stunden, insbesondere während dts ganzen Sommers, wo von Mai bis November theils gar keine und theils Wr des Vormittags Volksschule gehalten wird, ihren Religionsunterricht in bem allgemeinen Schullvkaie geben zu lassen, da es der jüdischen Gemeinde, chke sich in gänzliche Armuth zu stürben, unmöglich ist, ein eigenes Schullokal herzustellen. Und man staune' Diese Bitte wnrde abgeschlagen, und wenn wir recht unterrichtet sind, so war eö die monarchische Seite wieder, welche Toleranz nben und das Gesuch gewähren wollte, wahren!) ^republikanisch e Seite das intolerante NtNl auszusprechen sich nicht scheuet^ So viel uns brkannt ist, wird zn Darinsiadt, Wornis, Mainz und m äderen Städten von den israelitischen Lehrern und Rabbinern der iöratiinsch-eonfesstonelle Neligionsuttterricht in den Stadtschul- und Gymnasial- Aebäuden, unter spezieller Erlaubnis; der bttreffenden Behörden, eriheilt. Und Tu, winziges Lelleheni, Du kleines Nicderursel, mit deiner kleinlichen FranksAker republikanischen Seite, Du treibst die „christliche Liebe" so weit, den Gössen einer gedrückreu Gemeinde, die mit Dir dieselbe Luft athmet und ML demselben Bache schöpft, den Athem zu beengen und den Quell des Lebens zu trüben? Sicherlich schmerzt dieser Vorgang den dortigen Herrn Pfarrer Sell, der uns schon öfters Beweise wahrhaft meuschlicher Theil- Kübme an den Schicksalen unserer dortigen Glaubensgenossen gegeben hat, mchl minder als uns selbst, und sollte es uns zu großer Genugtuung gereicht, wem; wir durch diese Darstellung elwas dazu beilragen könnten, den unserer Staatsgenossen in Niederursel zu einer bessereu Neber-