Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 4 (April 1857)
- Date
- 1857-04-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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Nordamcnkaiusche Zustande. vorgeschlagene (5inrichtung inö Dasein zu rufen. Allein der unpartsüsche Zuschauer, welcher tiefer in den bodenlosen Abgrund der Mißbrauche hmabsckant, wird bald enttäuscht werden. Er wird finden, daßes nurzehn blS zwölf (?) Männer in den ganzen verei« nigcen Staaten sind, welche Antl?til an diesem beklagenswerthen streite nehmen, daß die meisten Artikel, anstatt voll von Beweisgründen zu sein, voll von persönlichen Nerläumdnngen sind, daß der Streit um Prinzipien in einen Kampf von Persönlichkeiten umgeschlagen ist? daß der Zwiespalt der Grundsätze zwischen einigen der Parteien in der Wirklichkeit nicht so weit ist, als er in dem ersten Anblicke zusein scheint, daß er aber durch persönlichen Haß und ehrgeizige Selbsterhebung erweitert wird. Von den Th'atfachcn Rechnung zu tragen und die wirklichen Bedürfnisse der gegenwärtigen Generation außer Achtung lassend, sucht ein Jever feine Ansichten als die „ultima ratio" durchzusetzen, wodurch die Gemeinden in Verwirrung gestürzt, die Wohlgesinnten mit Widerwillen erfüllt, die Ruhigen und Leidenschaftslosen mit bloßen Popanzen erschreckt werden. Keine der Parteien hat eine klare Einsicht in das. was geschehen könnte und sollte, gewonnen; keine ist im Stande, die vollen Konsequenzen der Prämissen ihres TvstemS durchzuführen; Zedermann ist gehemmt in seinen besten Absichten durch hartnäckige Thatsachen — und da er sich in einer so schiefen Stellung unbehaglich fühlt, macht er dieser Unbehaglichkeit in gegenseitigen persönlichen Schmähungen Luft. Dieses ist ein trauriger und trübseliger Zustand, allein er kann weder durch Zauberei noch durch persönliche Verleumdungen entfernt werden. Die große Majorität unsrer Gemeinden nimmt keinen Antheil an dieser ganzen Aufregung. Die meisten Mitglieder haben mit ihrem Geschäfte zu thun und besorgen ihre Handelsangelegenhetten vom Anfang des Jahres bis zum Ende desselben. Das Geschäft, welches von sehr Vielen getrieben wird, geht weit über ihre Mittel hinaus; der Credit und das unablässige Vorwärtsstreben Auierika's treibt sie zu Spekulationen an. welche von Jahr zu Jahr zunehmen. Getrieben von einem angeborenen Gefühle der Ehrlichkeit und Rechtschassenheit. wornach sie ihren Verbindlichkeilen pünktlich nachzukommen trachten, werden sie beständig von ängstlichen Sorgen gequält und finden deßhalb wenig Raum oder Muße, sich mit sveknlativen theologischen Streitigkeiten zu beschäftigen. Die wenigen Mußestunden des Abends werden entweder mit nochwendiger Erhoinng oder mit dem Besuche der zahlreichen geheimen Gesellschaften zugebracht, welchen anzugehören' in diesem Lande zur herrschenden Mode geworden ist. So wünschen sie nicht,