Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 3 (März 1857)
- Date
- 1857-03-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Dr. Ludwig Merzbacher?)r. Merzbacher war ein Mann von mittlerer Größe und xro^omoninem Körperbau. Sein Haar, das rwcb nicht gebleicht w5r, war immer auf's sorgfälligste geordnet; die hohe, majestätische Stirne verrieth den ernsten ruhigen Denker; hinter der goldenen Drille lugten ein Paar schwarze Augen, die den Angesprochenen ernst ansahen; die dünnen, von einer kränkelnden M;he O5er tövtlicben Blässe übcrflogenen Wangen verriethen de» TsdcZknki, den er in sich trug; der scharfgeschnitteue Mund, der zuweilen sehr bitter sein konnte, lächelte und witzelte gerne; in seinem Gange und seinen» Auftreten befolgte er eine immer gleichmäßige Ruhe, theils in Folge seiner Krankheit, und theils m Folge schwerer überstandencr Prüfungen. Obgleich er sich sehr Wenigen innig anschloß, in Folge seines PnnzipS, nur seinem Ideen- und Wirkungskreise zu leben und jede Opposition unberücksichtigt zu lassen, so daß er selbß jeder Debatte auS dem Wege ging, wozu ihn auch sein leidender Zustand nöthtgte. so war er doch, wenn einmal in Gesell? sä.'üfr, der angenehmste Gesellschafter. Ein geborner Humorist unv Zaluriker übersprudelte er dann von treffenden Witzen und Anekdoten, und geißelte rücksichtslos alle Verhältnisse. Zum tüchtigen Prediger fehlte ihm der Vortrag; seine stets zunehmende Krankheit zwang ihn, um jeden Preis sich zu schonen. Und obwohl seine Gemeinde dies bitter fühlte, so achtete sie ihn und sein Verdienst zu hoch, um ihm durch Anstellung eines zweiten Predigers auch nur die geringste Kränkung zu verursachen. Er erkannte dieses edle Benehmen dankbar an. und sucht! dem Wunsche seiner Gemeinde, zuweilen auch englische Predigten;u hören, bereitwilligst entgegenzukommen, obwohl es ihm grvßc Anstrengung kostete. Diese gegenseitige Berücksichtigung war das schöne Liebesband, das sie treu und unverbrüchlich bis zur letzten Stunde umschlang. Allein obwohl sein Vonrag mangelhaft war, so herrschte in den Predigten, die er ausarbeitete, ein Geist seltener Origmalu tat und Genialitat. Eine Neuheit von Ideen, wie sie in keiner der gedruckten Predigtsammlungeu gefunden wird, offenbart sich in seinen meisierhafren, allegorischen Deutungen; und obwohl ih-