Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 1 (1851)
- Issue
- Heft 11 (November 1851)
- Date
- 1851-11-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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246 Gott sprach lichen gesprochen: "»vdH NVQ^N 12^1 „eS redete der Ewige zu Moses und sprach"; das ist aus unserer Jugend her unserem Munde noch so geläufig; „Gott sprach!" so liest man uns laut und vernehmlich aus der Thora vor, und wir hören nichts, wir fühlen nichts und wir denken nichts dabei! Ist es nicht, als müßte der Prophet auch heutigen Tages uus zurufen: 1Z?^N 5dN IN", INI PQN „ihr höret und vernehmet das wohl, aber ihr begreifet es nicht; ihr sehet und schauet cs wohl, aber ihr denket dabei nicht nach!" *) Doch sehet, lieben Freuude, das ist wiederum so, ganz so, wie gar oft im Leben! Da spricht Gott der Herr in so wunderbaren Zeichen täglich, ja stündlich zu uns, und wir hören es nicht, wir achten nicht darauf; da laßt er seine Stimme ertönen in dem unbegreiflichen geheimnißvollen Walten der Natur, in der wunderbaren Lenkung unsercr eigenen Schicksale, aber wir gehen dahin, und unser Ohr ist zu, unser Herz ist verschlossen! — Zuweilen aber, da ist's, als öffnete sich uns der Sinn, als erweiterte sich uns das Herz; von allen Seiten wird es Heller, lichter um uns; da schauen wir umher mit hellerem Aug', da horchen wir ans mit schärferem Ohr, und wo es sonst still und schweigsam für uns gewesen, da spricht es jetzt zu uns mit tausend Zungen; wo wir sonst nichts gehört und nichts vernommen, da horchen wir jetzt auf mit zitternd ängstlicher Spannung, und was uns sonst gleichgiltig, unerheblich gewesen, das wird uns mit Einem Male bedeutungsvoll und beziehungsreich. — Und ganz also ist es auf dem Gebiete des Geistes, im Reiche der Gedanken! Da gehen wir auch gar oft mit todtem Sinn, mit verschlossenem Geist an mancher inhaltreichen Rede, an manchem tiefsinnigen Ausspruch der heiligen Schrift vorüber, und wir entdecken nichts und finden nichts. Zuweilen aber, da fallt eS wie ein Schleier von unserm geistigen Auge; da öffnet sich, wie durch unsichtbare Wunderkraft, uns plötzlich der verschlossene Sinn; und waS wir sonst als gleichgiltige Redensart zu betrachten gewohnt waren, das erscheint unS plötzlich nun *) Iesai. 6,9.