Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 1 (1851)
- Issue
- Heft 9 (September 1851)
- Date
- 1851-09-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3129675-3129676-3129686--0234-3132731- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
SS. Das Ltrtheil des großen Lehrers Abeu-ESra «ber die «ugeeigueteV „Piutim". Wir haben uns in der Gottesdienstordnung für Neujahr- und VersöhnungStag, welche sich in kurzer Zusammenstellung am Ende des vorigen und dieses Heftes befindet, das Ziel gesetzt, die Anzahl der Einschaltungsgebete mehr und mehr auf ein bescheidenes Maas und auf jene Stücke zu beschranken, welche ^ast^nrchgehendS in klarem, reinem, leicht faßlichem Hebräisch geschrieben find. Wir haben eine Masse jener ungeeigneten „Piutim" über Bord geworfen, welche in der That nur den werthlosen Ballast bildeten, um den weiten Schiffsraum der Gebetbücher auszufüllen. Gegen die Schwerfälligkeit dieser sogenannten Poefieen, gegen den Mißbrauch ihrer Aufnahme in den jüdischen CultuS haben viele Rabbinen deS Mittelalters, namentlich die spanischen, mit den Waffen deS beißenden Witzes wie deS geissclnden Ernstes wacker angekämpft, und es ist diesen auch gelungen, das spanische Ritual (sephardische, portugiesische) von jenen Schlacken rein zu erhalten, so daß dasselbe noch heute vor dem deutschen und polnischen durch einen hohen Adel des Ausdrucks und der Gesinnung aufs Vortheilhafteste sich auszeichnet. Die Urtheile des tiefsinnigen Bibelerklärers R. Abraham den ESra (Aben-Esra), des großen Philosophen und Gottesgelehrten R. Moses den Maimon (Maimonides), sowie des berühmten Lericographen R. David Kimchi (Redak) gegen die Piutim find bekannt. Allein wie die Sonne nicht müde wird zu leuchten, ebenso kann man die Wahrheit nicht oft genug sagen, und ist es immer nöthkg, wieder frisch auf sie zurück zu kommen, bis man ihr den Sieg verschafft. Wir hoffen daher, eS wird manche Leser dieser Zeitschrift interessiren, wenn wir ihnen zunächst das Unheil jenes in der Überschrift genannten Heroen deS mittelalterlichen JudenthumS auszugsweise in der Übersetzung mittheilen. — Aben-Esra (er blühte in der Mitte deS zwölften Jahrhunderts) äußert sich, in seinem Bibel-Commentar über die Stelle im Prediger 5,1: „Gott ist im Himmel und du auf Erden, darum laß deiner Worte wenig sein", folgendermaßen: