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Der israelitische Volkslehrer · 1851-09-01 · Heft 9 (September 1851) · page 15

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Journal
Der israelitische Volkslehrer
Volume
1 (1851)
Issue
Heft 9 (September 1851)
Date
1851-09-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Der Aufenthalt im Vaterhaus. 207 seiner Lehre sein, und wir schliefen ein auf unserem Posten! Wir konnten gut sein, und wir waren böse; wir mußten steigen, und wir sanken; wir mußten Sieger sein, und wir ergriffen die Flucht. Wir haben den Vater betrübt, die Brüder gekrankt, unS selbst wehe gethan—"hvN'L) NPNX NV1 wo ist unser besonderes Verdienst, woraufhin wir anrufen sollen das Angesicht des Weltenlenkers? VQ^VI I^M Er hat uns so viel Gutes gethan und mit Bösem haben wir's vergolten. Der Leichtsinn war uns lieber als der Ernst; der Schmeichelei neigten wir daS Ohr, nicht seinen vaterlichen Vorwürfen; um der Welt Freuden gaben wir fast unser ganzes väterliches Erbe hin, darum erfüllet tiefgehender Schmerz heute unser Inneres! — Das ist das Werk des Versöhnungstages, dieses erhabenen Tages, der tiefer in die Seele eingreift als sonst tausend Tage; er legt unS klar vor den Unterschied zwischen hier und draussen: draussen ausgelassene Freude, hier tiefgehender Schmerz. ll. Und so wäre denn der Versöhnungstag wirklich nur ein Tag der Herzensbevrängniß? Und wäre er nur dies, könnte er dann der Mittelpunkt, der Träger des Hauptgedankens einer Religion sein, die sich unS als eine Religion der Herzensfreude ankündigt? Nein, meine Freunde! wir müssen diesen bedeutungsvollsten Tag von zwei SeiLen betrachten. - Wie er einen Gegensatz bildet mit deS JahreS übrigen Tagen, so liegt in ihm selbst ein Gegensatz, welchen die Religion vermittelt. Er ist ein Tag der HerzenSbedrängniß, und doch auch der HerzenSerweiterung und Erfreuung. Denn t. Draussen ist Unruh', hier Frieden, 2. draussen ist Falschheit, hier Treue, 3. draussen vergängliche Lust, hier dauernde Seligkeit.

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