Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 1 (1851)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1851)
- Date
- 1851-07-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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««schichte vv» Kai» m»d Abel. auf Zeitgenossen und Mitlebende, wo noch die Verblendung genährt und gereizt wird und allerlei Leidenschaften mit in daS Urtheil sich mischen, sondern erstreckt sich sogar auf Längstverßorbene, übt seinen schädlichen Einfluß auch auf die geschichtliche Auffassung aus. — Ein Pröbchen davon gibt der Kajin in unserem Abschnitte. Ihm ist von den Auslegern so arg zugesetzt, so viel schauderhast Schlechtes angedichtet worden, daß sein Bild ein menschenschanderischeS Zerrbild, sein Name ein Gegenstand der Verwünschung und des Abscheues geworden ist, ja^ daß die gedankenlose Nachwelt an dem gebrandmarkten Manne dasselbe Verbrechen beging, dessen sie ihn bezüchtigt, einen sittlichen Brudermord. Wohl thut es Roth, daß wir die Augen schließen vor solch liebloser Vernrtheilung und vor allen angelernten Gewohnheitsmeinunzen, bevor wir sie von Neuem öffnen, um mit unbefangenem Blicke dieses Lebensbild so anzuschauen, wie die Schrift es hinstellt. Um dieses von vorneherein mit Einem Worte zu sagen: die Schrift stellt uns in den Lebensbildern des ersten Bruderpaars auf Erden einen doppelten Gegensatz dar, den Gegensatz nämlich jener beiden Brüder an Charakter sowohl, wie an Schicksal, den Gegensatz des inneren Werthes ^vie der äußeren Geschicke derselben; sie will uns damit gleich AnsangS den großen Grundsatz der wahrhasten Religiosität aufstellen, daß der Mensch Gottes Wege uud Weisheit nicht sassen, über Gott nicht richten kann und dessen Fügungen nur demuths- und vertrauensvoll hinzunehmen hat. Kajin, sagt sie uns, war, was an sich schon wahrscheinlich, als der älteste Bruder der Ernährer der Familie; sein Name deutet auch schon daraufhin, ,Fajin" (j'Z? von NH?) heißt „der Erwerber," denn er war der für das tägliche Brod täglich den harten Kampf mit der rauhen Erde kämpfte, mW das war bei dem damals noch völlig unkultivirten Boden und dem Mangel au allen Werkzeugen eine äußerst saure Arbeit, die viel Ströme Schweißes kostete. Hebel aber? nun sein Name sagt's ebenfalls schon; „Hebel" d. i. im Tand, Nichts; eS war nichts wit ihm; er war für keine anstrengende Arbeit geschickt oder