Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 2 (1852)
- Issue
- Heft 11 (November 1852)
- Date
- 1852-11-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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272 Erfahrungen aus seiner amtlichen Wirksamkeit denken an und erzeugt meistens eine sehr ernste, für das Gute einpfängliche Stimmung. Wenn nun der durch freundliches Entgegenkommen ^nd durch Erweisung gesetzlich gestatteter und gewünschtem GMttMeiten, wie z. B. Darlehen zweckmäßiger Bücher, Entgegennahme vertrauter Mittheilungen, dem Sträfling näher gerückte und befreundete Seelsorger in solchem Momenten ernster Stimmung zu dem Gefangenen in seine einsame Zellt tritt, wird er wie ein Engel, als ein Bote des Heiles und der Liebe auf das Herzlichste empfangen und die Worte seiner Lehre finden Ohr und Herz geöffnet. Das wirksamste Element der Thätigkeit ist hier eine reine teilnehmende Menschenliebe. —- Von dem ersten und würdigsten aller Priester, dem Hohenpriester Aron, erzählt der Midrasch, als Erklärung zu Malachi 2,6 (cf. Jalkut z. d. St.) daß er auch den größten Sündern stets in der freundlichsten Weise begegnet sei, und gerade dadurch habe er diese von weitern Fehlern abgehalten, weil sie dieses freundlichen Blickes nicht unwürdig sein wollten. — So muß auch hier der Lehrer der Religion, der im Namen Gottes zu dem Verbrecher kommt, diesem freundlich entgegenkommen, ihn durch Ermunterung und Liebe zu sich heranziehen. Unter der Asche eines scheinbar ausgekommenen sittlichen Feuers zeigen sich dann noch oft einzelne glühende Kohlen, die sich durch den warmen Hauch der Liebeneu zum Guten entzünden. Durch eine solche Behandlung wird der Sträfling nach und nach mit der Gesellschaft ausgesöhnt, gegen die er sich verfehlt hatte. Ist aber das moralische Selbstbewußtsein einmal wieder lebendig, so ist es ein Leichtes, dasselbe zu erhalten und weiter auszubilden. — Man erlaube mir daher, bei meinem Wirken in dieser Anstalt etwas länger zu verweilen. Dasselbe ist nach der Anordnung des Großherzoglichen Justiz-Ministeriums ein dreifaches: 1. ein er b a u e n d e s 2. ein belehrendes und 3. ein freuudschaftliches. 1. Das erbauende Element ist durch den an Sabbath¬ und Festtagen stattfindenden Gottesdienst vertreten. Dieser Gottesdienst, in der im Hause eigends hierfür, wie die Kirche, mit be-