Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 2 (1852)
- Issue
- Heft 8 (August 1852)
- Date
- 1852-08-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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202 Predigt. Was ist Sünde? gen sollst. Dein körperliches Leben ist nicht das Erzeugniß eines dem Ewigen gegenüberstehenden Satans, und ist nicht als solches etwas Sündhaftes; nein! es gibt kein Reich des Satans in der Schöpfung eines einzigen Gottes. Nicht Abtödtung des Körpers verlangt darum deine Religion, (5. B. Mos. 4, 15) sondern daß du dein förderliches Leben stellest unter die Herrschast deines Geistes und dich insofern erkennest als das Ebenbild Gottes, daß, wie Gott, der seine Welt nicht zerstört, sondern erhält und nach seiner Weisheit leitet, auch du dein körperliches Leben nicht zerstörest, sondern es leitest nach der Weisheit deines Geistes. So rief der Versöhnungstag einst dem Israeliten zu durch seinen Opferdienst, so ruft er noch heute uns zu durch seine hehre Feier. Verlaß heute die Welt mit ihren irdischen Bestrebungen und sinnlichen Genüssen, erhebe vom Staube dich und schwinge auf den Flügeln der Andacht empor dich zum Throne des Allmächtigen. Beherrsche die sinnlichen Begierden, entsage heute dem Vergnügen des Körpers, damit du dich fühlst als geistigen Funken des ewigen Geistes. Beherrsche dein Streben nach irdischen Gütern, entsage heute der Lust am Besitze und erkenne, daß deine wahre Heimath nicht in der Tiefe der Erde, sondern in dem Himmel des Geistes ist. Beherrsche deinen Stolz und deinen Hochmuth, entsage heute dem Glänze der irdischen Größe und erkenne deinen Adel in der Größe deines göttlichen Geistes, in dem Glänze deiner unsterblichen Seele. O himmlisches Gefühl! sich als Ebenbild Gottes zu wissen, als Mensch auf Erden göttlich zu wirken. O selige Wonne, wenn ich mich verleugne zum Wohle Anderer' wenn ich entsage um Andere zu beglücken. Hier Thränen trocknen, dort beklemmende Seufzer stillen, hier den Blinden führen, dort die Stütze des armen Bedrängten sein! Ja, die Welt will ich erhalten und beglücken, wie mein Vater im Himmel sie erhält und beglückt in Liebe und Barmherzigkeit! — O heiliger, göttlicher Tag! Versöhnungstag, >- schönste Feier, du höchster Triumph des menschlichen Geistes! Du bringst uns wieder die verlorne Krone des göttlichen Ebenbildes, du führst den Menschen zum Gipfel seiner Bestimmuyg hinauf. Witt die Erde