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Der israelitische Volkslehrer · 1852-08-01 · Heft 8 (August 1852) · page 19

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Journal
Der israelitische Volkslehrer
Volume
2 (1852)
Issue
Heft 8 (August 1852)
Date
1852-08-01
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Predigt. Was ist Sünde? 195 welcher so oft im Jahre die Seele umstrickt. — Ich sah vor wenigen Tagen, so sprach heute ernst der fromme Israelit, ich sah auf die mahnende Uhr der Zeiten und gewahrte im Gebet voll Andacht, wie abermals ein Jahr hinabrollte in das dunkele Grab der Ewigkeit. Es rollte auf immer hinab! jedoch vor seinem Scheiden ließ es nochmals alle Bilder, welche es brachte, vor dem Blicke meines Geistes vorüberschweben, angenehme uud düstre Bilder, Erinnerungen an Freuden, aber auch Erinnerungen an Leiden. O wie erschienen mir die Freuden so eitel, so luftig, so kindisch! NUP NNNQ NNV^I ^INQ 'N-Dtt PINU^ „Zum Schmerze sprach ich: du bist thörigt, zur Freude: was willst du vollbringen?" (Kohelet 2,2.) Wie wenige von diesen Freuden, denen ich mit Sehnsucht entgegenblickte, verdienten Freuden genannt zu werden! Die Leiden aber, wie füllten sie mein Herz mit Wehmuch, mit kindlicher Ergebung! Die Roth war groß, die Hülfe fern — da ließ der Allmächtige Manna regnen in dunkeler Nacht vom segnenden Himmel herab. Das Auge suchte weit und breit nach einer erfrischenden Labung, und gewahrte nirgends einen Quell, zu stärken die erschlafften Kräfte, und sieh'! da ließ der Allgütige aus dem Kieselfelsen des menschlichen Herzens labendes Wasser sprudeln, Wasser der Theilnahme, der Hülfe und des Trostes. Wie gütig , wie liebevoll offenbarte sich mir die göttliche Vorsehung! „Dieser ist mein Gott, Ihn will ich rühmen!" (2 Mos. 15, 2.) Kniee nieder und danke und bete! — Aber da fragte uns die Religion an den geöffneten Pforten des neuen Jahres: darfst du beten? darf deine Seele auf der Andacht goldenen Schwingen empor zum Throne des Allmächtigen sich erheben? Sieh, so rein, so himmlisch entstieg sie der Hand Gottes; wie ist diese Reinheit befleckt, wie ist diese himmlische Gestalt beschmutzt vom Staube der Erde! — Du willst beten, du fühlst dich hingezogen zu danken für alle göttliche Wohlthaten, welche der gütige Vater dir zuströmen ließ, du willst für das neue Jahr vertrauen auf seine Vaterhuld, hoffen auf seine Gottesliebe; aber bist du auch würdig dieser Hulo, würdig dieser himmlischen Liebe? — So fragte ernst und teilnehmend uns die Religion, als wir auf jener heiligen Grenzlinie zwischen dem alten und dem neuen Jahre uns befanden, und wir lenkten den Blick prüfend auf un- 17*

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