Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 2 (1852)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1852)
- Date
- 1852-07-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Predigt. Ich bin ein Hebräer. 157 wo hier Blätter abgefallen sind, sind dort herrliche Zweige und Blüthen nachgewachsen. Stellen wir aber die Rechnung zusammen, so wird der Betrübte sich getröstet fühlen, denn er erkennt hier vor Gott, daß Alle gleich sind, daß die vermeintlichen Glücksgüter wie Seifenblasen vergehen, und daß Keiner ohne Leiden, ohne bittre Erfahrung sich eingesunden;'und der Glückliche? er erkennt die Eitelkeit der Eitelkeit, mäßigt seinen Stolz, wird bescheiden und dankbar. So bringt das Fest Jedem eine Gabe, — dem Unglücklichen — Trost, dem Stolzen — Demuth, dem Hasser — Versöhnung, dem Verderbten — Läuterung, und darum laßt uns diesen Tag begrüßen: NIN' 552 komme du, Gott gesegneter Tag, gieße das Füllhorn deiner Wohlthaten über uns aus, verschaffe uns einen freien, unpartheiischen Blick auf unser Leben, daß wir Dich zu unsrer eignen Läuterung und Besserung anwenden, zu uns selbst zurückkehren und dadurch Gott selbst näher kommen. Amen. Wir nehmen nun das Buch wieder zur Hand, das seit mehreren Jahren um diese Stunde uns die Anleitung zu erbauender Betrachtung gegeben: die Geschichte des Propheten Jona. Ich erlaube mir den Inhalt der bisher behandelten Betrachtungen noch einmal kurz anzuführen und dürste dieses im Buche selbst mit nachgelesen werden. Jona erhielt den Auftrag: der damals berühmten Stadt Ninive, ihrer Sünden wegen, den Untergang zu verkünden, versuchte aber, um diesem Austrage zu entgehen, vor Gott zu entfliehen; und darin erkannten wir das thö richte Benehmen Aller, die zur Beschönigung ihrer Sünden neue häufen, und dem Strafgerichte Gottes zu entfliehen gedenken. Der vierte Vers erzählt, wie diese Flucht vor Gott, dM Herrn, über Wasser und Erde, unmöglich sei; wie der Sturm das Fahrzeug des Propheten bedrohte — und das, m. L., waren uns die Stürme und Gefahren, die auch uns bald von Außen bedrohen, bald im Innern tobend wüthen, als Folgen jener versuchten Flucht.