Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 2 (1852)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1852)
- Date
- 1852-05-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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1Y8 Die Reform bei den Israeliten auf dem Lande. und Rohheit der verschiedensten Art! Hier, mein Freund hat der Arbeiter im Weinberge des Herrn eine schwere, aber unerläßlich heilige Aufgabe, und auch dem Rabbiner der Neuzeit erwächst daraus die große Pflicht, daß er bei der Reform nicht bloß die Stadt, sondern auch das Land berücksichtige, damit wir gemeinsamen Schrittes den Weg des Lichtes vorwärts ziehen. — Ich weiß es wohl, Sie sind mit mir hierüber nicht einerlei Meinung, wenn gleich unsere Ansichten über Wesen und Form des Judenthums sich ziemlich nahe stehen. Namentlich glauben Sie, daß „das Volk" durch die Reform nicht glücklicher gemacht werde, ja, daß man geradezu ein Unrecht an ihm begehe, wenn man ihm lieb und theuer gewordene, hellige Gewohnheiten entzöge, oder in ihrer Unwesenheit öffentlich darstellte. Insbesondere wollen Sie eben die Einfalt der religiösen Anschauungsweise in Landgemeinden mit einem voli ms taubere („wolle mich nicht antasten'.") umgeben, und den süßeu Trost der Unwissenheit den Leuten nicht gerne geraubt sehen. Hierüber haben wir schon manchen eifrigen Streit geführt, und Sie haben mir Ihre freundlichen Bemerkungen jüngst auch in Betreff dieser meiner „Monatsschrift" zugehen lassen, daß dieselbe nicht, wie Sie sich in kühnen Gegensätzen ausdrücken, „Himmelsstürmerische" oder „erdwühlerische" Aufsätze und Vorträge enthalte, sondern ruhige Paßgänger, die Niemanden aus dem Schlafe stören. Die geistige Kost, die wir böten, solle Hausmannskost sein, was man unbedenklich auf die Tafel jedes Landmannes stellen könne, ohne daß seine Zunge Stoffe wittere, die ihr bis dahin unbekannt waren, und der Mann lüstern ausrufe: „was war Das?" — Auf unserem Schiffe soll nach Ihrem Wunsche kein Gedanke von Mahaghoni angeländert werden, der zu einem edleren Geräthe dienen könnte, worauf der Geist ausruhe, sondern gewöhnlich Holz, wie man es auf dem Lande zur Ofenbank nimmt, worauf Orthodor und Nichtorthodor, den Rücken dem Wärmespendenden Freunde zugekehrt, gemüthlich und messianisch zusammensäßen. Ja, theurer Freund, in der messianischen Zeit leben wir eben noch nicht; daß wir sie aber vorbereiten — denn etwas messianischer Geist weht schon in der Lust unseres Zeitalters — dazu, ich O