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Der israelitische Volkslehrer · 1852-04-01 · Heft 4 (April 1852) · page 22

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Journal
Der israelitische Volkslehrer
Volume
2 (1852)
Issue
Heft 4 (April 1852)
Date
1852-04-01
Page
– (sequence 22)
Language
German
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102 Kindschaft und Erstgeburt. Aegypter erwählt, um in uralter Zeit Träger einer höheren Bildung zu sein; er hat die Griechen erwählt, um den Sinn für Schönheit und Kunst in der Menschheit zu befestigen; er hat die Römer erwählt, um Vermittler der Bildung zu sein zwischen den lichten Gärten des Morgenlands und den finstern Wäldern des Abendlandes. Wenn Er nun Israel dennoch sein Volk nennt, N^O OZ), das Volk seines Eigenthums, so muß doch die Aufgabe Israels eine höhere, mit der Verherrlichung des göttlichen Namens auf's innigste verbundne gewesen sein; und wenn er jene Nationen vom Schauplatz der Erde entfernte, während er uns noch ein Leben und Bleiben unter den Völkern ließ, so muß nothwendig die Aufgabe Israels und der Beruf semer Erstgeburt noch nicht erfüllt sein — N12^n Denn Gottes ist der ewige Gang der Welt. (Habäk. 3, 6.) Es ist freilich wahr, es hat Zeiten gegeben, wo Israels Blick in die Geschichte getrübt war, wo es den übrigen Völkern und Religionen keine Gerechtigkeit widerfahren ließ, für ihr Wesen und Wirken keinen Sinn hatte. Sie haben es ausschließend behandelt, tief hinabgedruckt, und Israel behandelte sie wieder ausschließend, sich hoch über sie erhebend. In jenen finsteren Zeiten, da gab es außer dem Talmud keine Weisheit, außer Palestina keine Welt, außer Israel keine Menschheit. Das war Wahn und Beschränktheit! Wenn Gott in der Thora sagt, „Levi, Leetwri lisrael," mein erstgeborner Sohn ist Israel, spricht er nicht dadurch aus, daß alle Völker seine Söhne seien? Sonst würde er ja nur sagen: „mein Sohn ist Israel"; denn wo ein Erstgeborener genannt, wird, da müssen noch mehr Kinder im Hause sein. — Und wenn es in den Propheten (Jes. 19, 25) heißt: O^M M ^12 gesegnet sei mein Volk Aegypten, soll das etwas Anderes heißen, als daß selbst Aegypten, Israels erbittertster Feind, in das innigste Verhältniß zu Gott treten, und einst die Menschheit das Volk Gottes sein werde? — Und Wenn es in den h eiligen Schriften (Hiob 38, 41) heißt: PD'wer bereitet dem Raben sein Futter? sollte der nicht ein Vater aller Menschen

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