Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 2 (1852)
- Issue
- Heft 3 (März 1852)
- Date
- 1852-03-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3129675-3129690-3129694--0366-3132371- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
50 Der Hilferuf austrat, und der auch später von der Regierung versetzt wurde, hat eine in unserem Jahrhundert beispiellose Verfolgung gegen die Juden an den Tag gelegt, deren nähere Momente aus dem folgenden Schreiben der Herren vi-. Trautmann und A. I. Steinberger in Hungen zu ersehen sind. — Wir haben uns, nach der am Ende jenes Schreibens befindlichen Aufforderung, die Mühe nicht verdrießen lassen, nähere Erkundigungen einzuziehen, worin wir die Mitheilungen der obengenannten Herren noch überboten gefunden. So theilt uns unser College, Herr vr. Levi zu Gießen, zu dessen Rabbinate die Gemeinde Langsdorf gehört, aus der Leidensgeschichte der Langsdorfer Juden einen Zug mit, der allein den entsetzlichen Zustand derselben genug darlegt: „ein armer Jude, der gewohnt war, bei seinen christlichen Nachbarn seinen Wasserbedarf zu holen, und dem Solches in Folge des Komplottes gegen die Juden verwehrt ward, ließ in seinem Häuschen in der Küche den kleinen Heerd niederreißen, um unter demselben Raum zum Graben eines Brunnens Zugewinnen. Was geschieht? die bösen Menschen bringen gewaltsam den Lehm zum Bauen vom Hause weg und zwingen den Fuhrmann, die Bausteine wieder aufzuladen." — In dem ganzen Sodom war nur ein einziger Christ, Konrad Schäfer, welcher den Muth besaß, diesen Gräueln fern zu bleiben und den Juden manchen Liebesdienst zu erweisen.— Unter so bewandten Umständen hätte es nicht auffallen dürfen wenn die dortigen Juden freiwillig, oder vielmehr nothgedrungen, auf ihre Rechte verzichtet hätten. Es ist namentlich den Bemühungen der beiden Herren vr. Trautmann und Steinberger zu verdanken, daß solches nicht geschah, daß die armen Leute im Feuer ausharreten, und sind dieselben zur Führung ihres Prozesses durch Israeliten aus dem Großherzogthum Hessen auch mehrfach unterstützt worden. Regierung und Kammern thaten gleichfalls ihre Pflicht; Recht und Freiheit haben gesiegt! Aber die unbemittelten Langsdorfer Juden, im Ganzen zehn Familien, sie sind, wie uns ein anderer Correspondent schreibt, „sterbende Helden und werden an ihren Wunden verbluten, wenn wir ihnen nicht helfend und aufrichtend beistehen." Alle