Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 2 (1852)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1852)
- Date
- 1852-02-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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32 Bildung ist! Weisheit. umfasset und umschließet auch das religiöse Leben/ als' ein vernünftiges und thateifriges. Ich meine/ er so l l es umfassen und einschließen. Aber das Leben draußen straft diese Behauptung gar häufig Lüge j tritt ihr gar scharf und schneidend entgegen/ zieht eine gar hohe und breite Scheidewand zwischen beiden^ ' - ' Die Gebildeten, das sind so gar häufig diejenigen/ welche mit Religion und religiösem Leben sich am wenigsten befassen, welche desselben, — als einer Krücke bloß für die Menge, bloß die niederen Volksklassen! —selbst entbehren zu können glauben', welche mit einer gewissen Vornehmheit auf dasselbe herabblicken und es sich hoch anrechnen, zum großen Verdienst, wenn sie einmal/ zweimal des Jahrs sich darum kümmern, seinen Forderungen Gehör schenken und Geschäft und Gewerbe ruhen lassen. Und weil heut zu Tage ein Jeder darauf Anspruch macht, ,>gebildet", aufgeklAt zu heißen, so begründet er vor Allem seinen Anspruch damit, daß er es in religiösen Dingen leicht nimmt, eitle gewisse Gleichgiltigkeit zur Schau stellt; selbst wenn das Herz noch dagegen sich sträubt, man sucht es vergessen zü machen, daß die Religion Antheil nnd Anspruch an uns hat; ja , und bei Vielen geht dieses Vergessenmachen bis auf den Namen, bis auf die letzte Erinnerung, bis auf ein Erschrecken, wenn sie nur das Wort „Jude" hören—- Und fragen wir, wie und warmn es so gekommen, wie und warum Bildung und Religion sich so entfremdet, so den Rücken gekehrt haben/so hält's gar nicht schwer, darauf die rechte Antwort zu finden. Es ist der Wahn, daß die Religion sich nicht mit einem vernünftigen Leben, mit einer freien geistigen Auffassung der Lebensverhältnisse vertrüge, daß sie ihren Hauptwerth in beschwerliche, geistlose Gebräuche und Formen setze, denen man sich nicht unterziehen könne und wolle, daß sie ein Hemmschuh des Fortschritts und im Widerspruch mit der Zeit und ihren Forderungen stehe, daß sie nur immer rückwärts schaue, in die Vergangenheit, und sich an sie anklammere, anstatt den Schritt zu beflügeln und den Geist vorwärts zu treiben — dieses Wahnbild, sage ich, ist es, diese Mißgestalt von Religion > welche noch Vielen vorschwebt, weil sie sich nicht die Mühe geben wollen/ die wahren Forderungen