Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 3 (1853)
- Issue
- Heft 9 (September 1853)
- Date
- 1853-09-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Leib, ein Tempel Gottes. 221 Und gib, Ewiger, unser Gott, daß wir schon am ersten Morgen des jungen Jahres die Flüchtigkeit seiner, unserer Tage erkennen! Denn nur 'Deine Tage sind Jahrtausende— aber unsere Tage?— 'O' NN) siehe, mit Spannen hast Du meine Tage gemessen und meine Welt ist nichts vor Dir; ach, nur ein Hauch ist der g anze Mensch, so fest er auch stehen mag! (Ps.39 6.) So lehr uns denn heute erkennen, was der Leib ist, und was er uns sein soll, damit wir in der Flüchtigkeit seines Bestehens die Wichtigkeit unseres Erdenseins im Auge behalten, damit auch in unserer irdisch vergänglichen Erscheinung Dein unvergängliches, himmlisches Wesen sich offenbare, der Welt zum Heile und uns zur Seligkeit» Amen. Wir haben am gestrigen Abend gezeigt, a. v. Z., wie notwendig es sei, daß wir beim Jahresanfänge den Kreis unserer Menschenpflichten im Geiste durchgehen, damit wir ihnen gemäß unseren Haushalt bestellen in dem neuen Jahre vor Gott. Wenn uns nun am Versöhnungstage mehr das innre Leben und die ihm verwandten Augelegenheiten beschästigen, so sind es die äußerlichen Lebensbedingungen, welche am Neujahrstage dem Synagogenbesucher zunächst Äm Herzen liegen. So ist einmal der Mensch, der Staubgeborene! Er weiß, daß er Staub ist, daß sein Leib mit allen seinen Wünschen und Genüssen, ein Raub der Vergänglichkeit wird, und dennoch liegt ihm dieser Leib mit seinen Bedürfnissen so nah', und seine Schicksale und Zukommnisse gehen ihm so nahe, daß unter hundert Synagogenbesuchern gewiß neunzig, in der tiefsten Andacht, wenn sie heute um Leben beten : 1^27, „gedenke unser zum Leben," O"NN ^OOD „schreib' uns ein in das Buch des Lebens," bei aller Innigkeit doch nur an des Leibes Leben denken. Und wenn sie verkünden „die ganze Fülle der Heiligkeit d ie ses Tages" (M'N Nwl? an welchem der Gedanke die-gläubige Seele tief erfülle, daß ein Richter im Himmel, nicht heute blos, sondern allezeit unser Geschick leite und leükd, dann fühlen die Meisten sich am meisten ergriffen'bei den Worten: niO' 'Ol ."".'W 'O „wer wird leben und wer wird sterben"? N'P2 tt^ 'Ol 'v „wer am natürlichen Lebensziele, und wer vor demselben!"— 17