Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 3 (1853)
- Issue
- Heft 9 (September 1853)
- Date
- 1853-09-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3129675-3129704-3129714--0858-3132239- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Denk nach! (Einleitung.) 2t9 um dich gezogen hat? — Mit Einem Worte: Mensch, hast du im vergangenen Jahre dich als^ Menschen bewährt, von welchem der Schöpfer am Tage des Gerichts spreche: ^VQ 1^ „er ist ein Sprößling meiner Pflanzung, IttSN,^ N'.^PO ein Werk meiner Hände, womit ich mich rühmen kann?" (Jes. 60, 21.)--Es ist so stille rings umher; feierliches Schweigen breitet sich aus über die Erde; der Tag der Erinnerung ist da — denk' nach! o denk nach! — Und dazu, es ist meine heiligste Pflicht, will ich bestrebt sein, wieder durch eine Reihe von Vorträgen Veranlassung zu bieten, zu denen die gesprochenen Worte als Vorbereitung und Einleitung dienen mögen. — Der Mensch im Lichte der Religion, der ganze Mensch, in allen seinen Beziehungen und Verpflichtungen, sei der große Gegenstand, welcher unser Nachdenken beschäftige vor Gott in diesen größten Tagen des Jahres. —Und dieß, meine Zuhörer, ist nothwendig!—Wenn unsere alten Lehrer verordnen: ^UNNI p^lw man untersuche und predige an allen Festtagen von den Angelegenheiten des betreffenden Festes, so sind es an diesen Bußetagen, wo der Mensch im Menschen erneuert werde, sind es da die Angelegenheiten der menschlichen Natur, welche uns in unseren religiösen Betrachtungen beschäftigen müssen. Mit jedem Jahresanfänge, der sich den Israeliten in so ernst feierlicher Weise kundgibt als eine „Zeit des Nachdenkens", ist es die erste Pflicht, unserer Pflichten eingedenk zu werden, sie im Geiste zu wiederholen, sie in's Herz auf's Neue einzuprägen, damit Leib und Seele ihnen gemäß ihren Menschenhaushalt ordnen für ein neues Jahr. — Darum sei von dem Streite in den Gemeinden, von dem Zwiespalte unter den Völkern, von dem Risse, der durch die ganze jetzige Menschheit gehet, in den bevorstehenden Vorträgen keine Rede — wir erheben uns in dem Emporwandeln unseres Geistes über die niederen Zwistigkeiten im Staat und Gemeinde zur reinen Menschenbetrachtung hoch empor; wir