Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 3 (1853)
- Issue
- Heft 8 (August 1853)
- Date
- 1853-08-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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186 Die Umgestaltung der religiösen Zustände und Dank. Waren auch seine Derbesserungen unbedeutend: Er hat es gewagt, die heiligen Spinngewebe anzutasten — Kühnheit genug, für die Freunde zur Aneiferung> für die Widersacher zu Anfeindung. Löwi hatte auch genug für seinen Muth zu leiden. In ganz Bayern war die Orthodoxie in Aufruhr gegen ihn; Mühe und viele Kosten wurden nicht gespart, ihn zu stürzen; Denunziationen der niedrigsten Art, Lüge und Verläumdung in jeder Weise wurden gegen ihn vorgebracht; eine Blume am Sabbath abgepflückt zu haben, den Bart, statt mit einem zweischneidigen, mit einem einschneidigen Instrumente sich haben abnehmen zu lassen, ward er bitter angeklagt; bezahlte Emmissäre wurden geldsammelnd in die Gemeinden und zum Bestürmen der Regierung nach der Hauptstadt geschickt: Gott und die Gesinnungstreue seiner Gemeinde hielten den trefflichen Mann aufrecht. — Gehört nun Löwi unstreitig der Ruhm, die Unantastbarkeit der alten Synagogenzustände praktisch widerlegt zu haben, so stand bald ein gefährlicherer Gegner jener Zustände auf, der dem Feinde theoretisch zu Leibe ging, die Waffen dazu, die Berechtigung zur Reform, dem talmudischen Arsenale selbst entnahm: vr. Geiger. Der Begriff der Tradition, der mundlichen Lehre (lora -sekedAa! peli) ward durch ihn als das belebende, entwickelnde, fortschreitende Prinzip in der jüdischen Welt zur klaren Anschauung, zur wissenschaftlich gesicherten Auffassung gebracht. War es bisher vorzüglich das Leben, das allgewaltig und unaufhaltsam in die hemmenden Zäune und Mauern einbrach, so nahm jetzt die Wissenschaft an diesem großen Prozesse den entschiedensten Antheil. Drang sich bisher Vielen, wenn sie dem L eben und seinen Anforderungen nachgaben, immer noch der schmerzliche Gedanke auf, daß sie im Widerspruche mit der Religion handelten, so trat nun ein dritter Faktor, die theologische Wissenschaft versöhnend zwischen beide, indem sie zeigte, wie das Ordnen der religiösen Zustände und Formen nach den Anforderungen des Lebens gerade in Einklang stehe und bringe mit der Religion und mit dem Ber-