Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 3 (1853)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1853)
- Date
- 1853-07-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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Eine Erzählung. 173 Soldaten zu ihren Fahnen zu rufen. Zwischen hinein heulte die Sturmglocke; der gräuliche Feuerruf erscholl. „Kind," sprach da der freundliche Offizier, „komm' mit mir; hier kannst Du nicht bleiben; nach Hause kann Dich jetzt Niemand bringen. Halte Dich zu mir, ich werde versuchen, Dich aus dem Getümmel zu retten!" Und „Vorwärts" kommandirend, schritt er an der Spitze der Seinen zur Thüre hinaus, den Knaben an der Hand. — Eine gedrängte Menge wogte durch die Straßen, durch welche sich mit Proviant beladene Wagen mühsam Platz machten. In der Stadt herrschte grenzenlose Verwirrung. Eine ungeheure Brandschatzung war ihr auferlegt worden. Viele Einwohner waren ohne alle Ursache, Andere bei der Vertheidigung ihrer Habe getödtet worden, wieder Andere hatten sich in die Winkel ihrer Häuser versteckt und ihre Wohnungen dem Feinde überlassen, der, in seinem Siegesübermuthe das Unsinnigste begehrend, im Ueberflusse schwelgte. Abziehende Haufen schleppten die Beute von dannen. — Aber was war all' diese Noch gegen den Jammer, welcher im Falk'schen Hause herrschte? Von Mutterliebe getrieben, hatte sich die Hausfrau, als die Nachricht von dem Eindringen der Feinde ihr zukam, durch die Straßen gedrängt, um ihr Kind aus der Synagoge zu holen, aber schon in der nächsten Straße warf ein Volkshaufe, von einem Reiterregiment verfolgt, sie zu Boden. Sie wäre schmählich umgekommen, wenn sich nicht eine brave Seele in der Person einer christlichen Nachbarin ihrer angenommen und sie nach Hause gebracht hätte. Hier lag sie in Schmerz fast aufgelöst auf ihrem Bette und klagte und jammerte und weinte; und ihr Weh war um so einschneidender, als sie sich sagen mußte, sie habe zum großen Theil selbst Schuld daran. „Ach du mein liebes Kind!" jammerte sie, „wo weilest du? bist du noch unter den Lebenden oder hat dich der Huf der Pferde zertreten oder die Menge dich erdrückt? O Gott! sende doch einen Engel, ihn zu schützen und laß mein Auge ihn wieder sehen! Warum ließ ich dich auch von mir, du Liebling meiner Seele! warum beachtete ich die Worte meines verständigen Mannes nicht und ließ dir deinen Willen? Ich werde erliegen der Last meines Jammers, bis ich's ihm werde gesagt haben, daß ich Schuld an dem Tode unseres Einzigen bin, und nimmer werde ich seinen anklagenden Blick ertragen können!"