Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 3 (1853)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1853)
- Date
- 1853-05-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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104 Gedanken über Zugendunterricht allen Dingen, die das geistige Leben berühren, eine Autorität sein. Das Kind muß fühlen, daß es sich nur an der Hand des Lehrers auf dem Gebiete des Wissens sicher zu bewegen vermöge. Wir denken hierbei nicht nur an den Gewinn, der daraus für Unterricht und Disciplin überhaupt, sondern wir denken ganz vorzüglich an den Gewinn, der dauernd auch nach dem Verlassen der Schule daraus erwächst. Denn in der Autorität des Lehrers ist die Autorität des Besserwissens und die Macht höherer Bildung veranschaulicht; und aus einer Schule, in welcher die Autorität des Lehrers nicht in den Gemüthern der Kinder lebt, werden in der Regel anmaßliche Schwätzer und ungründliche Aburtheiler hervorgehen. Die Autorität des Lehrers muß aber in dem von uns in Schutz genommenen Auswendiglernen eine Stütze mehr für sich zu gewinnen wissen, indem sie sich in der Deutung und Auslegung des Erlernten bethätige und als unumgänglich nöthig bewähre. Dem Kinde muß die Auslegung und Deutung des Lehrers als etwas Unfehlbares erscheinen. Der Lehrer vertritt dadurch das Prinzip der Tradition. Denn Tradition im Allgemeinen ist wesentlich die richtige Auffassung und Auslegung des Gegebnen und Vorhandnen. Ueberhaupt muß in der Person des Lehrers das Prinzip der Belehrung durch Höherstehende veranschaulicht erscheinen. Der Jugendunterricht darf nämlich nicht einzig und allein der Erzielung einer gewissen Summe des Wissens sich zur Ausgabe setzen, sondern soll dem Kinde insbesondere zur Anschauung bringen, wie der Mensch zum Wissen gelange, und welche Elemente hierbei mitzuwirken haben. Kömmt nun in dem Jugendunterrichte auch noch die gebührende Rücksicht auf die Uebung im Selbstdenken in Anwendung, welchem Punkte sicherlich bei dem gebildeten Lehrerstande in unsern Tagen volle Kraft zu- *) Diesem, dem progressiven Elemente, ist ein geringer Raum in diesem Aussatze angewiesen. Wir hätten auch hierüber, namentlich über das Selbstdenken in religiösen Dingen, gerne eine tieser eingehende Motivirung gelesen. Die Red«