Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 3 (1853)
- Issue
- Heft 3 (März 1853)
- Date
- 1853-03-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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70 Der israelitische Religionslehrer nicht so groß, als man wohl im ersten Augenblicke glauben möchte. Aufsicht, recht strenge, ist in den meisten Verhältnissen eine unbedingte Notwendigkeit; gar viele Menschen können nur dann ihren Obliegenheiten getreulich nachkommen, wenn sie wissen, daß das Auge eines Vorgesetzten all' ihr Thun bewacht. Aber selbst für den Pflichteifrigen, sich selbst zur Thätigk"it Anspornenden ist vernünftige Aufsicht, strenge Inspektion heilsam. Denn es ist ein gar süßes Gefühl, wenn dem berufsgetreuen Lehrer wenigstens Einmal im Jahre nach einer einsichtigen Prüfung von seinem Vorgesetzten das Geständniß abgelegt wird, daß er bisher seine Schuldigkeit gethan und auf dem betretenen Wege fortwandeln solle. Er ruht dann, gleich einem Wanderer nach mühevoller Fahrt, friedlich unter den lieblichen Palmen einer erquickenden Oase. Dieses Gefühl ist bei dem wahren Manne, das vergesse man nicht, weder gemeines Ringen noch Lob, noch Ruhmsucht; es ist das Beseligende in uns, das wir stets empfinden, wenn uns das Zeugniß von bewährten Männern gegeben wird, das wir uns selbst, je ernster wir es mit unserm heiligen Berufe nehmen, desto weniger in seinem ganzen Umfange geben dürfen — das Zeugniß, unsere Schuldigkeit gethan zu haben: es stählt die Kraft und gibt Muth zur fortgesetzten Thätigkeit. Wenn der Lehrer aber Jahr aus, Jahr ein sein mühevolles Werk treiben muß, ohne das Urtheil eines Sachverständigen zu vernehmen, so macht das entweder verzagt und kleinmüthig, oder flößt ein zu starkes Selbstvertrauen ein; Beides ist sowohl für den Lehrer, als für die Schule gleich gefährlich. Leider aber haben viele israel. Religionslehrer unsres Landes nur zu häufig Gelegenheit, in einen oder den andern dieser Fehler zu verfallen, denn gar vielen derselben fehlt eine der Anstalt angemessene Beaufsichtigung durchaus. — Lassen wir für viele Fälle Ein Beispiel reden: Ein mir befreundeter College ist bereits vier Jahre als Religionslehrer an einem und demselben Orte thätig und hat während dieser langen Zeit nur Einmal das Vergnügen gehabt, den der Schule vorgesetzten Rabbiner, dem die Prüfungen obliegen,