Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1855)
- Date
- 1855-12-01
- Page
- – (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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440 Rundschau. Bräuchen durchaus entsagt habe, und der Vater des jungen W. dennoch sein Freund sei. daß die Orthodoxie also die Nichtorthodoren nicht hasse, — daß besonders Hr. Rabbiner W. ein sehr frommer, braver Mann sei, so daß er von der turhesfischen Negierung (vem Ministerium Haffenpflug) sehrprotegirt worden und bei seinem 2sjährigeu ^mtsjubilaum sogar ein Bcloöungsschreiben erhatten habe. — Indessen war damit jedenfalls die Bemerkung der k. Staatsbehörde, daß man überhaupt nur bei vernünftigen Handlungen nach den Motiven fragen dürfe, die Bosheit aber m sich allein ihre Begründung suche, oder vielmehr ohne Logik handle (der Teufel kennt keine Logik), nicht widerlegt. — Das Gerich: jedoch erkannte jenes Motiv, den Fanatismus. VaS allerdings sehr schwach wäre, jedenfalls aber das Ehren- Hasteste, das den jungen Menschen leiten konnte, im Falle er die That begangen, nicht an; eben so wenig wurden die Beweise als zureichend erkannt, und der Beschuldigte aus diesen Gründen frei gesprochen. Wie Sie bereits mitgetheilt, hat die k. Staatsbehörde appellirt und den jungen W. bis zur Entscheidung des Appellations-GerichlS in Ver¬ Hast deHalten. Sie werden s. Z. von dem Resultate der Berufung Mittheu lung empfangen, da diese in den Annale» des Judenthums vielleicht einzig dastehende Sache aus mehr als einem Grunde einen Platz in dem „iSrael. Volkslehrer" beansprucht. — (Die Freisprechung auch vom A. Gericht ist, laut neuesten Nachrichten, erfolgt; wir sehen näherem Berichte entgegen. D. Red.) ** AttS der Pfalz. Wie man hört, waren sammtliche BezirkSrab, biner der Pfalz in einer Konferenz zum BeHufe der Berathung einer gemeinschaftlichen Synagogen Ordnung unlängst versammelt und sollen sich dieselben in sehr schönen, wichtigen Resultaten aufs Freundschaftlichste geeinigt haben. Zwei Principien sollen als maßgebend anerkannt worden sein; Einmal, daß Mißbräuchliches, Unzeitgemäßes entfernt und fodann, daß dem Gottesdienste durch die Einführung neuer Gebete in der Muttersprache neue erbauende Elemente zugeführt werden müssen, und diesen Principien auch bei der Berücksichtigung der gegebenen Verhältnisse und strikten Beachtung der gesetzlich rituellen Vorschriften in erfreulicher Weise Rechnung getragen worden sein. Soviel vorläufig; das Detail muß feiner Zeit bekannt werden, und werde ich dann nicht verfehlen, Zhnen genauen Bericht zu erstatten. Jedenfalls ist es höchst erfreulich und an sich schon als ein dedeutender und für unsere religiöse Zukunft in Schule und Synagoge gewiß auch bedeutsamer Fortschritt, daß unsere sämmtlichen Rabbiner, bei denen man früher die heterogensten Ansichten vermuthete, zu gemeinschaftlichem Wirken Ach geeinigt haben, was sicher nicht wenig zur Hebuug unseres religiösen Lebens beitragen wird. Vielleicht mag die gemeinschaftliche Verunglimpfung in eines: Ihnen wohlbekannten hyperorthodor eifernden Blatte und die kühne« Uebergriffe seiner Träger, die selbst bis zu uns herüber zu reichen, und Hwar ju sehr bedeutende Verhältnisse einzugreifen sich uicht scheuten_wovon ich Zhnen bald vielleicht Näheres berichten kann ^Manchen Aufgerüttelt haben; und hat sich auch hier die alte Erfahrung bewährt, daß jedes Uedel m seiner extremsten Erscheinung sein Gegengift in sich trägt. —