Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1855)
- Date
- 1855-12-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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zu Elevelanb. 4ll Indem wir über den ersten Artikel, als über jede DiScufsion erhaben, hinweggehen, nur unsere innige Freude ausdrükkend wie allüberall in Asrael die Bibel als der göttliche Urgrund, worauf wir stehen, anerkannt ist, und die Rabbiner und Prediger des gesammtcn Israel nicht in Rationalismus, Naturalismus, Pantheiswus u. s. w. ihren Standpunkt haben, sondern in Gottes heiligem Worte — ein Umstand, welcher der Reform des Zudenthums in seiner äußerlichen Erscheinung, die innere Grundfesten unangetastet lassend, eine große, nicht bloß judäische, fondern universelle Zukunft unzweifelhaft sichert: so müssen wir in Betreff des zweiten VunkteS mit eben so tiefer Berrübniß nicht nur u».;'crc Verwunderung, sondern auch unsere Mißbilligung mit der größten Entschiedenheit kund geben. Wohl wissen wir noch nicht, welche etwaige Modificationen die Konferenz mit der betreffenden ^^iatiOrnz" vorgenommen. Allein, daß sie von einem Manne, wie der Herausgeber des „Israelite," angeboten, von vr. Sil Lenthal sofort mit aller Entschiedenheit unterstützt wurde, läßt uns für die Reform in Amerika allzuviel befürchten, als daß wir unseren Protest einen Augenblick aufschieben dürften. — Zunächst und vor Allem müssen wir daher den Satz in seiner faktischen Unwahrheit hinstellen. „Bei allen Israeliten sei der Talmud als der gesetzliche und verbindliche Kommentar de? Bibel anerkannt?" Man müßte mit den bittereu Kämpfen, welche die Karäer, eine sehr würdige und achtbare Religionsgemeinschaft, gegen den Talmudismus geführt haben, völlig unbekannt sein, wenn man obigem Tatze, selbst vom rein historischen Standpunkte aus. beistimmen wollte. Wohl sind die Karäer, da die Stürme des Mittelalters die lichtlose und dumpfe At mosphäre des damaligen religiösen Lebens, ihrer Btüthe nich^^ günstig sein konnten, von den Rabbaniten überwunden, doch nich> vernichtet worden. Bis auf den heutigen Tag befinden sich an sehnliche und hochgeschätzte Gemeinden derselben im Orient in sittlichem wie bürgerlichem Wohlstande und unterscheiden sich in gar mancher Beziehung vorteilhaft von ihren polnisch-rabbintschen Brüdern, obgleich sie den Talmud weder als „gesetzlichen 31*