Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 11 (November 1855)
- Date
- 1855-11-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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882 Ueber den Modus dingungen deS RabbtnateS zu verhandeln, und war dieses geordnet, dann wurde der Mann zum Rabbiner der Gemeinde berufen. Dieß war ein Verfahren, welches die Gemeinde selbst in hohem Grade ehrte, indem sie eine genauere Prüfung über den Mann, namentlich über seine schriftstellerischen Leistungen, mußte vorhergehen lassen; und in der That. wenn man die frühere Geschichte der Rabbinate vergleicht, so wird man selten finden, daß eine Gemeinde, im Hinblicke auf die damaligen Verhältnisse und Bedürfnisse, sich in der Wahl ihres geistlichen Oberhauptes vergriffen habe. Noch mehr aber wurde durch jenes Verfahren der Rabbiner selbst geehrt. Nicht war er der Gefahr ausgesetzt, im Falle der Nichterwählung seiner eigenen Gemeinde gegenüber bloS gestellt zu sein; denn nur einer Berufung leisteten die bedeutenderen Männer Folge; und die bisherige Gemeinde des zu höherer Stufe Erkorenen mußte selbst sich mitgehoben fühlen, im Besitze eines ManneS gewesen zu sein, welchen man nun in eine so namhafte und ausgezeichnete Xekilla beriefe. — Wie ganz anders will sich das in unfern Tagen gestatten! Wenn eine bedeutende Gemeinde einen Rabbiner oder Prediger sucht, so wird em, für vir Sriueinde freilich bequemeres, aber sicher nicht ehrenhafteres Verfahren eingehalten. Die Stelle wird ausgeschrieben; das ist des Drama's erster Akt. Die Anforderungen, möglichst gesteigerte, welche man an den betreffenden Eandidaten stellt, werden namhaft gemacht; und nun erscheint auf der Wahlbühne 12^ 1221' ILM V'tt ^>I, Wer immer durch eitle Selbsttäuschung sich schmeichelt, der Stelle gewachsen zu sein. Da jedoch diese nur Einem zu Theile werden kann, so müffen nothwendiger Weise viele Kandidaten eine schmerzliche Täuschung und das Gefühl, jedenfalls, selbst wenn die Sache geheim bleibt, dem betreffenden Vorstände gegenüber sich blosgestellt zu haben, bitter empfinden. Nichtsdestoweniger müssen selbst die bedeutenderen Männer, welche, an kleineren Orten placirt, für sich und ihre Familien den gerechten Wunsch hegen, auf größere Plätze versetzt zu werden, ihre Zeugnisse von Stelle zu Stelle wandern lassen, indem äußerst selten gegenwärtig eine Gemeinde sich entschließt, statt die Rabbiner zu sich kommen zu las-