Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1855)
- Date
- 1855-10-01
- Page
- – (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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Rundschau Hath- und Festtagen von der Arbeit nicht nur befreit find, sondern auch den Gottesdienst unter Aufsicht besuchen, und außerdem auch noch in dem Gefängnisse denselben Vorträge zu halten gestattet ist. A«S der Provinz Posen, im September. — Auf einer Besuchsreise nach meiner Heimath hatte ich das Vergnügen auch Bromberg wieder zu berühren. Im vorigen Jahrgange dieser Monatsschrift machle ich das lesende Publikum auf daS Erscheinen eines poetischen Werkes v-?m Verfasser der „Waltfahrt nach Palästina" und der »sagen des Morgenlandes," Herrn Julius Kossarsky in Bromberg, aufmerksam, welches vor einigen Wochen unter dem Titel: „der Mönch von Meran" im Vertage der allgemeinen deutschen Verlagsanstalt in Berlin erschienen ist. Wenn auch her Schwung, die kräftige Handlung, die romantisch-feurigen Balladendiction der „Wallfahrt" dem vorliegenden Gedichte fehlen, so scheint es, daß die lyrisch-didaktische Tendenz ves letzteren einen anderen Boden verlangt und ver Verfasser diesen auch deßhalb absichtlich beschritten hat. Es ist der der Milte und Weichheit. Das Gefühl des Schmerzes kann nie rührender, reiuer. nie an das Gemüth schlagender ausgesprochen werden, als es in diesen Versen ausgesprochen ist. Ein gebrochenes Herz, ein zerrissenes ^erhältmß, ein durch ein unverdientes Mißgeschick zur Abgeschiedenheit verunheiller Mann find Stoffe, welche oft der Feder eines Dichters gedient haben, aber selten ist auf eine so eigentümliche Weise eine Klage, wie sie dieses Gedicht durchbebt, laut geworden. — Ein Jeder, der ein mitfühlendes Her; für einen leidenden Bruder in seinem Busen nährt, möge der Leidende einem Stande und Glauben angehören, wessen er wolle, wird mit gespanntem Interesse, zu welchem dieses Werkchen von Anfang bis zu Ende, ja von Blatt zu Blatt den Leser mit magnetischer Kraft fesselt, dadurch befriedigt, gehoben und neu gestärkt in seinem heiligen Eifer, Trost und Linderung einem leidenden Bruder darzureichen, mächtig angespornt. Drum wünsche ich von Herzen diesem Werkchen eine weite Verbreitung, die es wahrhaft verdient, damit der Dichnr, dessen vecuniäre Verhältnisse nicht die günstigsten find, dadurch angespornt wird, das himmlische Feuer der Poesie in steter brennender Gluth zu erhalten. — — Erfreuend und herzerhebenv ist's, Männer zu sehen, die trotz der vielfachen Obliegenheiten ihres Berufes, eS sich zur heiligen Pflicht gemacht, Interesse für oaS höhere, geistige und religiöse Leben in ihrem Kreise unter ibren Glaubensgenossen anzufachen; ein solch edler und liebevoller Mann ist unser, schon durch diese Zeitschrift bekannter, Herr Hermann Zacobv in Bremberg. Wir gaben ihm damals die lobenswerthe Anerkennung, daß er der eifrigste Vertreter jüdischer Interessen Bromberg'S ist, und freuen uns, ihn stets bemüht;n sehen, Interesse für die beheren._Güter des Lebens in seiner Gemeinde zu verbreiten. So ist unlängst durch feine Anregung ein israelitische? Leseverein iuS Leben gerufen worden, der sich zur Aufgabe gestellt: ..zur Anschaffung und Kenntnißnahme aller in daS Gebiet deS IutentbumS einschlagenden Materialien anzuregen, und solche bei den Mitgliedern t-rkuliren zu lassen.- Es sind schon einige zwanzig Mitglieder, von denen jedes K Rthlr. als jährlichen Beilrag zahlt. Es läßt sich bei dem unermüdlichen Eifer des Begründers viel Erfreuliches von diesem Vereine erwarten, und spreche ich hiermit den Wunfch aus, daß diese vortreffliche Sache in alle» Gemeinden Israels Nachahmung finden möge! —