Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 9 (September 1855)
- Date
- 1855-09-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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336 Rundschau. Verbesserungen recht sehnlichst wünschen lassen; wenn gleich unsere bürgerlichen Zustände unS noch sehr fern von vem Ziele stehen lassen, das mnere (NlaubeuSgenoffen in dem benachbarten Frankreich bereits erreicht haben: so könnte man doch den zahlreichen Lesern des Volkslehrers eine wen freundlichere Schilderung unserer religiösen und bürgerlichen Verhältnisse geben, als jene aus Nnterfranken im Avrilhefr dieses Jahres. Gevtß hat jener Correspondent bei seiner recht interessanten Darstellung nur ras jenseitige Bayern, nicht aber ^die Pfalz im Auge gehabt(?). Dem Einsender dieses find der Falle gar wenige bekannt, wo einem gemäßigten Streben nach Reform in Synagoge und Schule von Seiten eines Rabbiners der Ml; Hindernisse in den Weg gelegt wurden. (Allein der Rabbiner muß nicht dtoS nicht der Hinderer. er muß der Förderer der Reform sein. Der Art aber ist unS nur Ein Rabbiner in der Pfalz bekannt, und dieser hat von ver Bigotterie und einem elenden, niederträchtigen Denun^iantenwesen genug zu zu leiden.—An m. d. Red ) Auch möchte man sehr bezweifein, daß befähigten Lehrern es von Seiten der Herren Rabbiner untersagt würde, ein Wort zu seiner Zeit bei gotteSdienstlichen Gelegenheiten zu reden; es werden sicher di.se Herren in die Worte MofiS einstimmen: N llp jN' 'DI Auch dem. bei weitem größeren Theil der isr. Gemeinde der Pfalz kann man zum Lobe aachsagen, daß sie, gleich lerne von scheinheiliger Frömmelei, wie vom trocknen ZndifferentiSmuS. eine gemäßigte Reform mit Bereitwilligkeit zu fördern bestrebt find, und daß ibnen das Urtheil des Rabbiners nach dem alten Spruche: d5*?d< maßgebende Autorität ist. Predigt, Cboralqesaug. Eonstrmation u. s. w. wird wohl von Allen freudig begrüßt, und zumeist wird die Unmöglichkeit der Einführung derselben, bei Ermangelung der nöthigen Kräfte hiezu, recht sehr bedauert. Doch könnte der werthe Leser die Frage an unS stellen: Warum eine so geringe Aernte auf so fruchtbringendem Boden und bei so guten Arbeitskräften? Allerdings fehlt eS auch bei unS an einem Mittelpunkte gemeinsamen Wirkens, der aber, wie aus dem Gesagten ersichtlich, nichr-allzuschwer aufzufinden sein dürfte. Ein vor nicht langer Zeit erlebtes Beispiel bestärkt uns in dieser Hoffnung. Die königlichen Verwaltungsbehörden der Pfalz standen im Begriffe, die von ihnen seit einer Reihe von Jahren gehandhabte Verwaltung der äußern Eultusangelegenbeiteu der Israeliten aufzugeben und solche denselben acl lidirum zu überlassen. Dieses hätte aber zu unberechenbaren Nachtheilen für Synagoge und Schule gereichen müssen; denn in Ermangelung jeder erekutorischen Gewalt winde bald Der, bald Jener die schuldige Zahlung zur Bestreitung der ßultusdedürfnisse verweigert haben. Dieß erkannten einsichtsvolle Männer m?t richtigem Blick, und ihren rastlosen Bemühungen gelang es, daß von der Regierung ein Regulativ ergangen ist, nach welckem unsere (Zultusangelegenheittn jeht noch besser und geregelter als früher von der königlichen Behcrce verwaltet werden. Würde man kch nun auch im Betreffe einer einheitlichen Reform in Synagoge und Schule zu einem gemeinsamen Streben vereinigen, und mit eben so vieler Bemühung und Ausdauer dieses fromme Werk zu fördern Klebe«, fs kennte wohl zur Erhaltung nnd Befestigung unseres Glaubens «ehr Gutes geschehen, als man irgendwo bei so geringen Kräften erziele» vermöchte. (Wir stimmen diesem Wunsche des verehrlichen Einsenders vollkommen bei. obgleich wir, wie wir bereits angemerkt, die jüdisch religio« se» Zustände 0er Pfalz, namentlich waS die reformfreundliche Thäligkeit der Herren Rabbiner betrifft, in keinem so rosenrotben Lichte erblicken. Wenn m,S Herr Einsender Beweise vom Gcgenthett gibt, soll unS dieses doppelt angenehm überraschen. — Die Red)