Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1855)
- Date
- 1855-07-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3129675-3129718-3129725--1218-3131831- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Bayerische Ka»mer-Berhavdlm!geu eigentümlichen Eindruck gemacht, diesen Mann aus reinem Gerechtigkeitsgefühle für eine Frage stimmen zu sehen, bei der er und seine Glaubensgenossen nicht betheiligt waren. Und als neulich die Abschaffung der Z§. 43 und 4S des zweiten Edikts der Berfassungsurkunde in diesem Hause vevattm^wurd?^^nnfe"es auch keinem Zweifel unterworfen sein, daß die Sache von vorherrschender Wichtigkeit nur für die katholische Konfession sei, und auch hier habe ich zu meiner Freude bemerkt, daß derselbe unbestochene Gerechtigkeitssinn den israelitischen Abgeordneten, der in dieser Berathung gegenwärtig war. vr. Morgenstern, bewogen hat, für den Antrag des Herrn vr. Ruland zu stimmen. Diese beiden Beobachtungen allein würden wich bestimmen, in der vorliegenden Sacke eine Znconsequcn; zu begehen und die Juden, obgleich ihre völlige Gleichberechtigung in Baiern nicht anerkannt ist. dennoch in diesem Hause als politisch gleichberechtigt anzuerkennen. Die Fragen, die hier diskutirt werden, sind ihrer Natur nach vorherrschend politische Fragen, nicht konfessionelle, und wenn irgendwo, so ist es hier völlig ungefährlich, alle Konfessionen, auch nichtchristliche, mitstimmen zu lassen. Es handelt sich hier um RechtSsragen, nicht um kirchliche Fragen. Meine Herreu'. Ich kann es mir gar nicht denken, daß die Mehrzahl von Ihnen die Juden ausschließen sollte, nachdem sie durch die Gesetzgebung in den feierlichsten Formen, für politisch gleichberechtigt erklärt worden find. Zch bitte Sie, überlassen Sie die Zurücknahme gegebener Rechte lieber Anderen, den Diplomaten und Juristen, welche formelles Recht höher achten, als materielles. Der treffliche Redner hatte sich nicht getäuscht; das Resultat der Abstimmung ist bekannt. Ja. roch mehr! Nicht nur die Abstimmung der Volksatgeordneten. sondern die Abstimmung des Volkes selbst hat, — indem die beiden, der aufgelösten Voltskammer angehörigen Glaubensgenossen auch bei der jüngst stattgehabten Neuwahl, der eine, vr. Arnheim, zum Abgeordneten, der andere vr. Morgenstern mit 93 Stimmen unter 200 Stimmenden zum Ersatzmann, gewählt wurden für die Sache der Zuden entschieden. Wenn Herr Ruland in feiner Rede die