Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1855)
- Date
- 1855-05-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3129675-3129718-3129723--1131-3131742- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
für die neue Hauptshnagoge zu Frankfurt a. M. dem sogenannten portugiesischen RituS an, und hat dieses gewiß mit dazu beigetragen, daß die Hamburger Tempelordnung in ihrer Totalität wenig Nachahmung gefunden hat. Denn wenn gleich nicht zu leugnen ist, daß die betreffenden Gesänge aus portugisischem Machsor die unseres deutschpolnischen Rituales an Form und Inhalt bei Weitem voranstehen, so fragt doch hiernach weniger das religiöse Gemüth und will, namentlich an den höchsten Feiertagen, gewohnte Gebete nicht entbehren; wobei erwähnt werden muß, daß auch unser Machsor für Neujahr Und Versöhnungstag — und nur für diese Tage sind dergleichen nothwendig — Piutim enthält, welche der Erhaltung würdig --erscheinen, insbesondere da auch für diese Tage nur eine sehr kleine Auswahl derselben für unseren zu schaffenden Cultus als Bedürfniß sich herausstellt. Hier kann sogleich erwähnt werden, daß die Hamburger Tempelgemeinde auch dadurch einen Schritt zum Bessern gethan, daß sie beim Gebete die portugiesische Aussprache des Hebräischen eingeführt hat. Es wäre dies, an und für sich betrachtet, sehr nachahmungswerth; denn, abgesehen davon, daß diese Aussprache die grammatisch richtige ist, so hat sie auch etwas edleS, zeichnet sich durch Wohlklang vor ihrer deutsch-polnischen Schwester aus, so wie eS nicht zu leugnen ist, daß bei den Juden der Jargon im Aussprechen des Hebräischen auf den widerlichen Jargon in der Aussprache des Deutschen bedeutend und sehr nachtheilig influirt hat. Dennoch möchte sehr zu bezweifeln sein, ob in praktischer Beziehung die portugiesische Aussprache für unsere Synagoge zu empfehlen sei, indem solche bei Unterscheidung der Vocate scbon eine genauere Kenntniß deS Hebräischen voraussetzt; und bei wie Wenigen ist diese noch zu finden? auch würde diese sehr wünschenswerthe Reform unS zu sehr isoliren, wie wir denn wohl behaupten dürfen, daß auch sie ein Grund mit war zur bisherigen Zsolirung des Hamburger Tempel-Gottesdienstes; ihre Einführung muß daher einer späteren Zeit vorbehalten bleiben. 5. Das Lesen der Tora in 3 Jahren (dreijähriger Cyclus). Diese Reform, welche durch Kürzung der allsabbathlichen Lectionen deren Bedeutung zu heben bestimmt ist, hat schon