Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 4 (April 1855)
- Date
- 1855-04-01
- Page
- – (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3129675-3129718-3129722--1120-3131730- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Rundschau. AuS Frauken. — Bayer! scheZustände.— Ihre ^Rundschau" berichtet uns wenig Reformförderndes aus Bayern, und ich vermag diesen Defekt »ich! zu ersetzen. Bayern, daS vor wenigen Dezennien so hoch auf der Warte synagogaler Reform stand, in dem das israelitische Schulwesen eine so sichere BafiS gewonnen hatte, gleicht in beiden Stücken einer von einer Schneehütte Gedeckten Flur; unten wohl Keime und Lebenskraft, aber überzogen mit dem Todtentuche der Hyperorthodorie und dem Eise der Lethargie. Wir haben viele reformfreundliche Rabbiner, aber theils fehlt ihnen der Mittelpunkt gemeinsamen Wirkens, theils untergräbt ihnen die überall wuchernde Form- Frömmigkeit allen Boden, und nur wenn im Stillen etwas geschehen kann — wie dieS z. B. gelegentlich eingeholter Gutachten über die Entbehrlichkeit deS Seminarbesuchs seitens der Religionslehrer, wie von einigen frommen Rabbinern allerhöchsten OrtS beantragt war, und wobei fich'S zeigte, daß die reformsreundlichen Rabbiner denn doch sich des Zutrauens der höchsten Stellen zu erfreuen haben — darf man darauf rechnen, daß die Pläne der frommen Herren scheitern. — Ich muß hier um eine Reihe von Monaten zurückgreifen, wo in ganz Bayer», in allen Synagogen Musik, Gesang, Predigt, deutsches Lied, deutsches Gebet zu hören war; es war dieses bei der Trauerfeier für die hingeschiedene Königin Therese. Bei dieser Gelegenheit ist man von jener affektirten Prieflerlichteit, welche die Lehrer eine Zeit lang mit allem Nachdruck von dem Abhalten einer Predigt oder Rede abhalten wollte, zurückgekommen, und nicht nur Herr Rabbiner Grünbaum in Anspach hat den Lehrern seines Distrikts die Abhaltung einer Rede mit deutschem Gesang anHeim gegeben, sondern auch mehrere orthodore Rabbiner thaten dies — und doch steht die Welt noch auf ihrem alten Fleck und o Wunder — die Würde der Herren Rabbiner ist dadurch nicht gesunken. — Sie haben bereits, Herr Redakteur, mit Recht das allzugrelle Hervortreten in den Zeitungen mit jener Todtenseier gerügt, und ich füge noch bei, wie dies namentlich von den hyperorthodoren Rabbinern geschehen ist. Sie haben nicht so bald in den Zeitungen gelesen, welche Anerkennung diese Feierlichkeiten und die dabei gehaltenen Predigten in München, Anspach und Fürth erhielten, als sie stracks in allen Blättern von ihren Reden :c. austrompeten ließen, als wenn je solche, das Judenthum allerdings ehrende feierliche Gottesdienste zu Stande gekommen wären, wenn ihre Plane, die Jünglinge vom Studieren profaner Wissenschaften durch allerlei Mittel und Mittelchen abzuhalten, sich verwirklicht hätten! als wenn sie, die sich so gerne Doktoren, Geistliche, SchulinspikLvten zc. nennen hören, nicht jetzt selbst alles daS thäten, was sie einst als Nlj-N zu brandmarken suchten! Die Sache hat aber noch eine andere, ernstliche Seite! Wir treiben mit unserm Gottesdienste, mit unserem Predigen und Singen :c. etwas viel Schauspiel. Doch das ginge voch an. Allein wir thun noch mehr'. Ist das Schauspiel oder Trauerspiel zu Ende, so kehrt Alles wieder zur commune» Alltäglichkeit zurück. In allen den Synagogen, in denen bei dieser Gelegenheit so schön gesnngeu und