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Der israelitische Volkslehrer · 1855-04-01 · Heft 4 (April 1855) · page 11

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Journal
Der israelitische Volkslehrer
Volume
4 (1855)
Issue
Heft 4 (April 1855)
Date
1855-04-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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tS4 Die verschiedenen AuffaffungSweisen jüdischen Alterthums. feine unsterbliche Lebenskraft, welche auch die Neuzeit beseelt, wir verehren in der hohen Vergangenheit des ZudenthumS die starken Wurzeln, die eS in den Boden der Gegenwart schlagt. Wir träumen nicht länger den Traum des Mittelalters, unsere Sinne find nicht mehr gefesselt und gebunden vom Schlaf und unser Auge ist nicht länger geschlossen gegen das Licht, gegen die Eindrücke und Wahrnehmungen der Gegenwart. Wir lieben Gott in den Menschen, den Vater in seinen Kindern, den Baum in seinen Früchten, das graue Alterthum in der jungen frischen Gegenwart. O, erwachet doch aus euerem Traum und wähnet nicht länger, der Strom der Geschichte werde umbiegen und zu seinem Ursprung zurückkehren. Nein, die Ströme stießen alle in s Meer, aber auch im Meere sind die starken Wasser zu unterscheiden, an der Brandung sind sie zu erkennen. Nur dürfen wir den Ursprung aus dem Auge nicht verlieren; nur müssen, wir zum Urquell zurückgehen und auf Alles genau achten, was der Strom in seinem weiten Laufe durch die verschiedensten Himmelsgegenden in sich aufgenommen und sich angeeignet hat. Aber glaubet doch nicht, die Geschichte werde mitten in ihrem Lauf Halt machen, dem im Vorschreiten begriffenen menschlichen Geiste plötzlich Stillstand,;a Vergessenheit seiner selbst gebieten, um vergangene, ausgelebte Erscheinungen wieder lebendig zu machen. Nur der Traum, dessen ganze Welt ausschließlich die Erinnerung ist, nur der Traum, der für die Eindrücke der Gegenwart todt ist, kann die Vergangenheit gegenwärtig sich denken. Der auS dem Traum erwachende Mensch liebt noch die Erinnerung mit ihren zauberhast schönen Bildern, aber sein wacher Sinn ist der Gegenwart zugewandt. Was aus der Vergangenheit am meisten ihn fesselt, ist das, was er für die Gegenwart nutzen und verwenden kann. Darum nochmals, ihr Brüder, erwachet auS euren Träumen und sehet auf das Göttliche in unfern Gestaltungen, scheuet aber dann auch das Bekenmniß nicht: „Kürwahr, Gott ist an dieser Stätte, und wir wußten eS nicht!"—

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