Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1855)
- Date
- 1855-02-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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72 Zur jüdischen Dogmatil. Lenkung des Menschen geschieht sonach in allen Fällen ausschließlich durch Vermittlung der Himmelskörper, und darum wird die göttliche Fügung in der rabbinischen Sprache himmlische Fügung lo'QP genannt *). Nach Analogie der erwähnten Metamorphose zu Gunsten des Menschen kann nun natürlich auch die Strafe, in wiefern sie überhaupt als göttliche Fügung gilt, blos durch einen, dem Betreffenden zum Nachtheile gereichenden Umzug des Sternes erfolgen. Bei dem Allen findet aber durchaus noch göttliche Lenkung Statt. Ob der gute oder böse Stern waltet — die Verwaltung geschieht immer nur im Namen und Auftrag Gottes, und so lange der Mensch überhaupt noch einen Stern hat, wird es seinem Schicksale, wenn auch noch so reich an Schatten, doch auch an Lichtseiten, an Spuren der göttlichen Barmherzigkeit nicht fedlen. Tritt Dagegen der nach den Talmudisten mögliche Fall ein, daß Gott den Sterblichen seiner Obhut verlustig macht und allem Schädlichen Preis gibt, so wird dessen Name, die auf ihn bezügliche Schrift, aus dem Himmelsbuche ganz gestrichen; sein Stern wird nicht etwa verändert, sondern erlischt, geht unter; sein Schicksal regiert nicht mehr Gott, sondern der Zufall, und so kann dem, welcher keinen „Lockad" („Stern") hat, Alles und ZedeS mißlingen. — Man sieht: auf rabbinischem Boden bat der Zufall unter gewissen Bedingungen eine ziemlich breite Grundlage; der Mosaismus aber gibt überallGorr allein dieEhre. An diesem haben wir auch in gegenwärtigem Betreffe vor Allem die ihm eigenthümliche, sittlich erhebende Kraft und Übereinstimmung mit dem innersten Denken und Fühlen des menschlichen Herzens zu bewundern. Eine Lehre, die dem Menschen zuruft : „Gottes Auge wacht ewig über dich; ohne seinen Willen kann selbst das schrecklichste und furchtbarste Wesen kein Haar dir krümmen; auch dann, wenn du gesündigt und ihn verlassen, verläßt er dich nicht, straft dick seine Gerechtigkeit, nicht blinde Willkühr; dagegen kannst du selbst die köstlichsten Lebenszüter dir entziehen, -- j. *) Hier geht der scharfsinnige Bersaffer wohl zu weit. heißt hier nichts Anderes als durch Gottes Hand, indem L'Q^ »H»m^ mel" als Begriff der Erhabenheit gleich bedeutend mit dem Höchsten gebraucht wird. Wie wollte mau sonst auch die Ausdrücke: .V'QV 0V? O'VV' dt"N722 erklären, wobei doch wohl an keine Macht der Himmelskörper zu denken ist? — schon in der Bibel (Dan 4 23) kommt diezeS Synonym vor. und der Ausdruck: »du sollst wissen. 7^^? -K'QV" kann nur in dem Sinne genommen werden, daß ein Gott waltet, venu an die Herrschaft der Himmel glaubten ja die Heiden gleichsalls. Aum. d. SteV.