Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 5 (1856)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1856)
- Date
- 1856-10-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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«A. Unterricht und Erziehung (Von Lehrex Strauß zu Dürkheim in der Rheinpfalz.) (Aus einer Eonferenz-Arbeit.) DaS Herz ist eS, an welches daS sittliche Leben seine Forderungen richtet. Will darum die Schule im wahren Sinne deS Wortes „praktisch", für'S Leben wirken — und waS ist Leben ohne Sittlichkeit? — so muß sie dem Zöglinge neben dem Unterrichte eine aufmerksame, sorgfältige Herzenspflege angedeihen lassen. Diese nicht genug zu beherzigende Wahrheit hat auch unsere hohe königliche Regierung erkannt und in wiederholten Rescripten der Schule es zur ernsten, Heiligsten Pflicht gemacht, in der Schule die gute, häusliche Erziehung fortzusetzen, die mangelhafte zu ergänzen und der fehlerhaften oder schlechten möglichst entgegen zu wirken. Da also die Erziehung mit zum Wesen der Schule gehört, so erlaube ich mir, über die Wirksamkeit der öffentlichen Erziehung im Verhältnisse zur häuslichen einige Gedanken hier niederzulegen/die ich in einem Konferenz a ufsatze ausgesprochen. Möchten sie auch in jüdischen Schulen und Häusern Anklang und Berücksichtigung finden! — Erziehung ist sittliches Einwirken Derjenigen, denen eS zusteht, auf den noch unselbständigen, weichem Wachse ähnlichen Menschen so zu influiren, daß er die gute Richtung in einer Weife erhalte, die er spater, bei allmähliger Erstarkung, entweder gar nicht mehr, oder doch nur selten wieder verlasse. Führt diese Einwirkung den Zögling der Vervollkommnung entgegen, so ist die Erziehung eine gute, im entgegengesetzten Falle eine mehr oder minder schlechte oder verfehlte. — Die Schule daher, die den jungen Menschen durch Beibringung der nöthigen Fertigkeiten und Kenntnisse für seinen dereinstigen materiellen Beruf vorbereiten soll, darf darüber unter keiner Bedingung die Veredlung des Herzens und Kräftigung des Willens vergessen, darf nicht allein darauf sehen, daß die entlassenen Zöglinge mit Kenntnissen bereichert seien, sondern vielmehr darauf, daß sie gotteSfürchtige, edle Menschen werden, die einem höheren Ziele zustreben und Gottes- und Menschenliebe