Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 5 (1856)
- Issue
- Heft 8 (August 1856)
- Date
- 1856-08-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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Rundschau. (NebrigenS wird unseren Lesern bekannt sein, daß die Verhältnisse der Juden in der Schweiz sich bedeutend gebessert haben. Wohl stellte die neue BerfaffungSurkunde nur die Bekenner der christlichen Konfessionen gleich; der wackere James Fazy. Führer der Freisinnigen Genfs, drang energisch bei Feststellung dieses Punktes aus Streichung des Wortes «christlich;» und es ist merkwürdig, daß gerade von Genf, dem früher calvimstisch so finsteren, bigott fanatischen, die Stimme zur Ablösung aller hemmenden Fesseln um des Glaubens willen, ertönte. Aber Fazy konnte nicht durchdringen; die Engherzigkeit stand ihm wie eine Felsenmauer entgegen. Erfreulich — freilich, wie man's nimmt, auch bedauerlich — ist es, daß cS hier nicht geistige Interessen, religiöse Gründe waren, die, wie in England, entgegen wirkten; sondern rein materielle. Man fürchtete, von den Juden, überfluthet zu werden, namentlich den Elsassern, die hier — vielleicht nicht ganz mit Unrecht — in übelem Gerüche stehen und selbst für daS Zuchthaus hierund da Candidaten liefern; so jüngst ein Jndustrieritter von dort, der einen Schimmel braun färbte, um ihn einem Bauern zu einem Gespann theuerer zu verkaufen. Schmach solchen Elenden, die ihre Brüder und den Namen --Jude« in Verruf bringen! — Allein adnsus von toZIit nsum! Und wenn man in der Schweiz allen Dieben und Vagabunden, von denen man in den donigen Zeitungen liest, das Bürgerrecht nehmen wollte, so würde das eine erkleckliche Anzahl PariaS geben! Dabei bestand das noch größere Unrecht darin, daß die eingeborenen Juden wegen der Ausländer leiden mußten -, denn jene genießen des besten Leumundes und stehen bei ihren Mitbürgern in erfteuticher Achtung. Deßhalb hat auch die Stimme des Rechtes und der Vernunft gesiegt. Der Regierung des Cantons Aarau gebührt die Anerkennung, daß sie, zum Schutze ihrer jüdischen Staatsangehörigen gegen die Auschließungsgesetze anderer Cantone, die Initiative ergriffen, so daß die Sache vor den Nationalrath zu Bern kam. Hier wurden die eingeborenen Juden völlig emaucipirt; sie können nnbehindert zu den höchsten Ehrenstellen! gewählt werden; nnd es wäre zu wünschen, daß die Juden einen tüchtigen Mann in ihrer Mitte ausfändig machten, welchen sie in die Nationalvertrerung zu bringen suchten, damit die Gleichstellung sich öffentlich manifestirte. — Man sagt, dieser Schuß habe weiter getroffen, als die Cantonalregierung Aargau'S gezielt habe; doch darüber wollen wir nicht streiten; wir ver, danken jedenfalls ihr den schönen Sieg. — Bei der im v. 3. stattgehabten Synagogen-Einweihung zu Bern haben die städtischen Behörden, als Zeichen der Hochachtung gegen ihre israelitischen Bürger, eine sehr herzliche und angelegentliche Theilnahme an den Tag gelegt. Diel von diesem günstigen Resultate ihrer Stellung verdanken die Berner und mittelbar alle Schwei- - zer Juden dem nicht nur in der Wissenschaft großen, sondern auch hochherzigen Professor Valentin, der seine jüdische GlaubenSgenossenschaft nie verläugnet und dem jüdischen Namen in Bern durch die humanen und socialen Tugenden seines Hauses Ehre und Anerkennung verschafft hat. — Red.)